EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis hat die griechische Regierung ermahnt, wie geplant Griechenlands vier größten Banken bis Ende des Jahres zu rekapitalisieren. Darüber seien sich alle einig, sagte Dombrovskis nach einem Gespräch mit dem griechischen Notenbankchef Giannis Stournaras. Zuvor hatte der EU-Kommissar gewarnt, dass vielen Sparern und Unternehmen ansonsten Verluste und Pleiten drohen könnten.

Regierungschef Alexis Tsipras muss am Donnerstag ein Gesetz zur Bankenrekapitalisierung durchs Parlament bringen. Passiert das Gesetz die Kammer, kommt Athen der Auszahlung der ausstehenden zwei Milliarden Euro aus dem Rettungspaket näher. Realistisch sei eine Überweisung aber erst frühestens Mitte November. Die Europartner halten zwei Milliarden Euro an frischem Geld zurück, weil Athen erst gut ein Viertel der Reformauflagen umgesetzt hat.

Der Verzug schadet letztlich der griechischen Wirtschaft, wie Dombrovskis sagte. Denn das Geld muss die griechische Regierung nicht gleich wieder zur Bedienung seiner Schulden bei internationalen Gläubigern abgeben, sondern könnte damit ausstehende Rechnungen bei einheimischen Unternehmen begleichen.

Tsipras hatte sich im Juli zu weiteren Einsparungen, Strukturreformen und Privatisierungen verpflichtet. Dafür schnürten die Eurostaaten ein drittes Rettungspaket von 86 Milliarden Euro und bewahrten das Land im letzten Moment vor der Pleite. Die Missionschefs von der Europäischen Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) stellten vergangene Woche in Athen aber fest, dass erst 14 von 48 vereinbarten sogenannten Meilensteinen abgeschlossen sind.