Volkswagen will seine Mitarbeiter offenbar zur Aufklärung der Abgas-Affäre ermutigen. Der Konzern habe Mitarbeitern unterhalb der obersten Führungsebenen Amnestie versprochen, wenn sie zur Aufklärung beitragen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Das gelte auch, wenn die Mitarbeiter sich mit ihren Aussagen selbst belasteten. Vorstände und andere hoch dotierte Manager könnten jedoch keine Straffreiheit erwarten.

Vorstandschef Matthias Müller habe Anfang Oktober bei einer Betriebsversammlung versprochen, wer zur Aufklärung beitrage und die Wahrheit sage, habe "keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen" zu befürchten. "Warum sollten die Leute auspacken und sich selbst belasten, wenn sie nichts davon haben?", schrieb die Zeitung unter Berufung auf die Konzernspitze. VW wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. 

Während der Konzern über arbeitsrechtliche Konsequenzen nachdenkt, sehen Wissenschaftler weitere zivilrechtliche Konsequenzen der Abgas-Affäre auf den Konzern zukommen: Die Käufer der manipulierten Autos könnten unter bestimmten Umständen vom Kaufvertrag zurücktreten und das Geld zurückfordern, berichtet der Spiegel. Das gehe aus einer Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen hervor.

Demnach würde eine erhebliche Pflichtverletzung seitens des Verkäufers vorliegen, wenn das Auto nach Korrektur der Manipulation mehr Diesel verbrauche als zum Zeitpunkt des Kaufes. Auch halte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages Schadenersatzklagen für möglich, da VW die Kunden mit den falschen Angaben zum Ausstoß von Stickoxid getäuscht habe, berichtet der Spiegel weiter.

Interner Umweltpreis für den Betrugsmotor

Die personellen und strukturellen Konsequenzen des Skandals um die manipulierten Motoren sind für VW noch immer nicht abzusehen. Noch vor ein paar Jahren beurteilte der Autobauer den betreffenden Motor offenbar sehr viel positiver. Nach seiner Entwicklung zeichnete der Konzern sich sogar selbst für die Entwicklung des Motors aus – mit einem internen Umweltpreis. Der Antrieb erhielt in dem Wettbewerb Mitte 2008 einen dritten Platz im Bereich Produkt. VW lobte damals die "innermotorischen Maßnahmen", mit denen der Motor "als erstes Dieselmodell in den USA die strengste Abgasnorm der Welt" erfüllte. Die "innermotorischen Maßnahmen" stehen heute im Strudel des Abgas-Skandals in einem ganz anderen Licht.

Das Entwicklerteam selbst lobte den Motor damals in Fachkreisen. So schrieben die Diplom-Ingenieure einen Fachvortrag, der den Diesel im Frühling 2008 wie folgt erklärte: Der Antrieb habe "die Entwicklung neuartiger Regelalgorithmen" erfordert. "Im Ergebnis ist eine neue Architektur hinsichtlich Hardware und Software für das Motorsteuergerät entwickelt und zur Serienreife gebracht worden."