Dem früheren Topmanager Thomas Middelhoff droht ein weiteres Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft Bochum habe gegen den ehemaligen Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor Klage wegen Anstiftung zur Untreue eingereicht, sagte dessen Anwalt. Es gehe um Bonus-Zahlungen, die Middelhoff als Arcandor-Chef erhalten habe. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe. Ob die Anklage zugelassen wird, wurde noch nicht entschieden.

Nach einem Bericht des Manager Magazins hat die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Essen Klage gegen Middelhoff sowie gegen fünf weitere Ex-Vorstände und neun frühere Aufsichtsräte des 2009 pleitegegangenen Handelsriesen Arcandor eingereicht. Der Vorwurf laute teils auf Untreue in besonders schwerem Fall, teils auf Beihilfe dazu.

In der 633 Seiten umfassenden Anklageschrift gehe es um Boni und Abfindungen in Höhe von 8,8 Millionen Euro, die zwischen August 2006 und März 2009 gezahlt worden seien, berichtet das Magazin. Das Landgericht selbst bestätigte lediglich den Eingang einer Anklage "gegen insgesamt 15 frühere Verantwortliche der damaligen Essener Arcandor AG". Angaben zur Identität der Angeklagten und zum Inhalt der Anklage könnten noch nicht gemacht werden, da die Papiere zunächst den Betroffenen zugestellt werden müssten.

Problemfall Bonuszahlungen

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich das Essener Landgericht mit den Millionenboni des früheren Arcandor-Chefs beschäftigt. Bereits im September 2013 hatte das Landgericht Essen den Manager in einem Zivilverfahren dazu verurteilt, dem Arcandor-Insolvenzverwalter einen Sonderbonus in Höhe von 2,3 Millionen Euro zurückzuzahlen, den er kurz vor seinem Ausscheiden erhalten hatte. Das Gericht hielt die Bonuszahlung für rechtlich unzulässig.

Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig und das Oberlandesgericht Hamm hat in zweiter Instanz bereits signalisiert, dass es die Bonuszahlungen an Middelhoff für weniger problematisch hält als die erste Instanz.

Im November 2014 war Middelhoff vom Essener Landgericht bereits wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Erst nach mehr als fünf Monaten kam der inzwischen erkrankte Manager gegen Zahlung einer Kaution von 895.000 Euro wieder frei. Thomas Middelhoff hat die Vorwürfe stets bestritten und gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Die Verhandlung darüber steht noch aus.