Neben den Manipulationen bei Stickoxid-Werten hat Volkswagen auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten eingeräumt. Die Grünen sehen nun auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Zug. "Angesichts der Dimension des Skandals und dem damit verbundenen Schaden für die gesamte deutsche Automobilbranche reicht es nicht mehr aus, Aufklärung als Show zu simulieren", sagte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer der Deutschen Presse-Agentur. Dobrindt müsse klare politische Regeln und Kontrollen durchsetzen, um die Auto-Branche vor sich selbst zu schützen. "Wir brauchen endlich umfassende Transparenz und Tests auf der Straße durch eine unabhängige europäische Behörde."

Bei einer internen Prüfung sei herausgekommen, dass Hunderttausende VW-Autos womöglich mehr Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen haben als vom Hersteller angegeben. Niedriger angegebene CO2-Werte verfälschen auch den Spritverbrauch. Dabei geht es neben Dieselfahrzeugen auch um 800.000 Benziner. Wie deutlich der gemessene CO2-Ausstoß über den angegebenen Werten liegt, sagte ein VW-Sprecher zunächst nicht.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte: "Offenbar hat VW bei der Ermittlung des Spritverbrauches illegale Techniken angewendet, um ihn nach unten zu korrigieren." Die ganze Wahrheit müsse jetzt auf den Tisch. Nötig seien zudem endlich schlagkräftige staatliche Stellen, die auch die Angaben der Hersteller nachprüfen dürfen und können. Bisher sei das nicht der Fall.

VW-Chef Matthias Müller versprach erneut eine "schonungslose" Aufklärung. "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative." Der Autokonzern bezifferte die wirtschaftlichen Schäden in einer ersten Schätzung auf etwa zwei Milliarden Euro. Im Skandal um die Stickoxid-Manipulationen musste VW bereits 6,5 Milliarden Euro zurückstellen.

Der Aufsichtsrat reagierte in einer Mitteilung "mit Betroffenheit und Sorge" auf die neuen Vorwürfe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird sich die Aufsichtsratsspitze spätestens an diesem Sonntag treffen, der komplette Aufsichtsrat dann am Montag. 

CO2 für Erderwärmung verantwortlich

Im Rahmen der laufenden Überprüfungen aller Prozesse und Abläufe bei Dieselmotoren ist laut VW aufgefallen, dass bei der Kohlendioxid-Zertifizierung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden. Betroffen seien ganz überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat. Bei der VW-Tochter Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza. Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung habe es Auffälligkeiten gegeben, sagte der Sprecher. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen. Alle Modelle stammen einem Sprecher zufolge aus dem Wolfsburger Stammhaus von VW.

Kohlendioxid ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren verschärft worden.

Die neue Dimension des Abgasdebakels könnte auch für VW-Kunden Folgen haben. In Deutschland hängt die Höhe der Kfz-Steuer für Pkw mit Erstzulassungsdatum ab 1. Juli 2009 auch vom CO2-Ausstoß ab. Durch die Abgas-Manipulationen könnten Kfz-Steuern für Autos aus dem VW-Konzern zu niedrig festgesetzt worden sein.

US-Repräsentantenhaus verlangt weitere Informationen

Unterdessen erhob die US-Umweltbehörde EPA am Dienstag neue Vorwürfe gegen VW. Demnach soll Volkswagen auch die Abgastests von Drei-Liter-Dieselmotoren geschönt haben. Die Spitze des Energie- und Handelskomitees des Repräsentantenhauses in Washington forderte daraufhin weitere Informationen von VW-US-Chef Michael Horn.

Die Abgeordneten schickten einen Brief an Horn, in dem sie um zusätzliche Details und Dokumente zu Abschalteinrichtungen bitten, die bei Abgastests eine wichtige Rolle spielen. Der Brief wurde parteienübergreifend aufgesetzt. Horn hat eine Antwortfrist bis zum 16. November.

Der deutsche Autobauer habe auch große Geländewagen der Modellreihen 2014 bis 2016 mit Manipulationssoftware versehen, teilte die EPA mit. Betroffen seien 10.000 Fahrzeuge, darunter der VW Touareg des Jahres 2014, der Porsche Cayenne der Modellreihe 2015 und die 2016er Modelle des Audi A6 Quattro, des A7 Quattro, des A8 und des Q5. Bislang bestreitet VW die Vorwürfe.

Als Reaktion auf die neuen Vorwürfe setzte Porsche den Verkauf von Dieselmodellen des Geländewagens Cayenne in Nordamerika aus. Dabei handele es sich um eine freiwillige Maßnahme, betonte die Luxustochter des VW-Konzerns in einer Erklärung. Betroffen seien Fahrzeuge der Modelljahre 2014 bis 2016. Besitzer der Modelle könnten ihre Wagen weiter wie bisher fahren.

Das Video fasst die von der US-Umweltbehörde EPA neu erhobenen Vorwürfe gegen VW zusammen.