Grenzkontrollen, da war doch was. Kurz nach den Terroranschlägen in Paris mit 130 Toten und Hunderten Verletzten hatte Frankreichs Regierung angekündigt, während des Klimagipfels die Einreisefreiheit für Reisende aus den Schengenstaaten außer Kraft zu setzen. Schließlich gilt es 40.000 Gipfelteilnehmer und 151 eigens angereiste Staats- und Regierungschefs zu schützen.

Doch an diesem Morgen spazieren die Passagiere wie eh und je aus dem Großflughafen Charles de Gaulle im Norden von Paris. Viele von ihnen machen sich direkt auf den Weg nach Le Bourget, in den Pariser Vorort, wo die Weltklimakonferenz tagt. Niemand interessiert sich für ihren Pass, geschweige denn für den Inhalt ihrer Rollkoffer, auch nicht die Zollbeamten am Ausgang. Vor jedem Pariser Theater oder Konzertsaal, wo inzwischen ein Heer privater Sicherheitsleute Taschen inspiziert, ist der Sicherheitsaufwand größer.

Es sei eben "eine kolossale Aufgabe, alle Welt an sämtlichen Grenzen 24 Stunden rund um die Uhr zu kontrollieren", sagt ein Sicherheitsbeamter achselzuckend. Zwischen Deutschland und Frankreich überprüft etwa die Grenzpolizei Reisende zurzeit lediglich an der Europa-Brücke in Straßburg rund um die Uhr. 71 Grenzübergänge kontrollieren Frankreichs Beamte zurzeit.

Rund 1.000 Menschen haben Grenzschützer laut französischem Innenministerium bisher an der Einreise gehindert. Detaillierte Gründe nennt das Ministerium nicht. Es habe "das Risiko bestanden, dass diese Personen die öffentliche Ordnung und die Sicherheit in unserem Land gefährden", sagte Innenminister Bernard Cazeneuve bei einem Besuch in Straßburg.

Die Hauptstadt verwandelt sich derweil in eine Festung. Sämtliche Demonstrationen in Paris und rund um das Gelände in Le Bourget hat die Regierung verboten – mit Verweis auf den einmonatigen Ausnahmezustand, der bis zum 13. Dezember gelten soll. Dieser ermöglicht außerdem Hausarreste ohne richterliche Überprüfung, allein der Verdacht reicht, dass die öffentliche Ordnung bedroht ist. Die Regierung will so gewaltbereite Umweltaktivisten und Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks für die Zeit des Gipfels fernhalten. Inzwischen sind laut Innenministerium in ganz Frankreich rund 120.000 Polizisten und Militärs unterwegs, um den knapp zweiwöchigen Klimagipfel zu sichern. Kaum jemand in Frankreich stellt nach den Terroranschlägen das hohe Sicherheitsbedürfnis infrage.

Klimakonferenz - UN-Klimagipfel in Paris gestartet Bei der zweiwöchigen Konferenz im Vorort Le Bourget verhandeln 147 Staatschefs das Thema Erderwärmung. Ziel ist der Abschluss eines verbindlichen Klimaschutzabkommens.

Vorort im Belagerungszustand

Allein auf dem Konferenzgelände in Le Bourget sind 2800 Beamte im Einsatz. Die Bewohner des Vororts nehmen stoisch in Kauf, dass sie seit Sonntag in einer Art Belagerungszustand leben. Dutzende Polizisten in Springerstiefeln säumen die Straßen. Am Bahnhof, wo die Vorstadtzüge abfahren, dürfen sie nicht mehr parken. Und an den Ticketautomaten bilden sich lange Schlangen, weil ausgerechnet jetzt einer von drei Automaten ausgefallen ist –  wo doch neben den Einheimischen auch noch tausende Gipfelteilnehmer täglich nach Paris oder zum Flughafen pendeln wollen. Die Shuttlebusse zum Gipfelgelände stehen im Stau. "Ein riesiger Zirkus, der nur deshalb stattfindet, weil sich gewisse Länder in keinem anderen Rahmen auf Klimaziele verpflichten lassen", sagt ein Delegierter im Gedränge.

Terrorgefahr als Vorwand

Es ist gerade das Demonstrationsverbot, das Umweltverbände und Menschenrechtsorganisationen verärgert. Sie glauben, dass die Terrorgefahr als Vorwand genutzt wird, um die Einflussmöglichkeiten von Aktivisten auf  die Klimaverhandlungen zu beschränken.  "Wir haben das Gefühl, dass die Regierung die Kritik der Aktivisten ersticken will, aber diese Repression ist der schlechteste Weg", sagt Jean-François Julliard, Chef von Greenpeace France.

Die 130 Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich zur Klimakoalition zusammengeschlossen haben, wollten mit Demonstrationen Druck aufbauen, damit ein  ehrgeiziges Klimaschutzabkommen verabschiedet wird. Verboten – wegen des Ausnahmezustands. Ein paar hundert Aktivisten trotzten am Sonntag dem Verbot – und lieferten sich auf der Place de la République im  Stadtzentrum gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.