Nach nur einem Jahr im Amt verlässt Vorstandschef Per Utnegaard den Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger aus Mannheim. Utnegaard trete aus persönlichen Gründen zurück, teilte das Unternehmen mit. Er verlässt Bilfinger zum 30. April. "Per Utnegaard hat den Konzern in einer herausfordernden Phase geleitet", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes. Der Konzern werde sich weiter auf sein Kerngeschäft fokussieren. Utnegaards Nachfolger soll in Kürze bekannt gegeben werden. Finanzvorstand Axel Salzmann übernimmt übergangsweise den Vorstandsvorsitz.

Für das Unternehmen kommt der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden in einer schwierigen Situation. Utnegaards Vorgänger, der ehemalige hessische Ministerpräsident, Roland Koch, verließ den Konzern nach einer Reihe von Gewinnwarnungen im Sommer 2015.

Auch Per Utnegaard konnte die Situation bei Bilfinger nicht signifikant verbessern. Im Unternehmen wurde kürzlich auch der Verkauf des Bau- und Gebäudedienstleistungsgeschäfts diskutiert und damit ein Teil des Kerngeschäfts. Der am MDax gelistete Konzern musste nach einem Verlust von fast einer halben Milliarde Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr die Dividende für die Aktionäre streichen.

Durch weniger Investitionen in der Öl- und Gasindustrie wegen des Ölpreisverfalls musste Bilfinger große Verluste hinnehmen. Es stehen Geschäftsstellen zum Verkauf und Stellen sollen gestrichen werden. Aktuell arbeiten etwa 56.000 Mitarbeiter für den Konzern.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat unterdessen Ermittlungen gegen Bilfinger eingeleitet. Das Unternehmen soll Schmiergeld gezahlt haben, um an Aufträge für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in dem südamerikanischen Land zu kommen. Konkret geht es um die brasilianische Bilfinger-Tochter Mauell und einen Vertrag zur Ausstattung integrierter Sicherheits- und Verkehrsleitzentralen mit Monitorwänden. Der Vertrag hatte laut Justizministerium ein Volumen von 24,3 Millionen Reais, was nach aktuellem Kurs knapp 7 Millionen Euro entspricht.