Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will den US-Saatgutkonzern Monsanto für insgesamt 62 Milliarden Dollar (rund 55 Milliarden Euro) kaufen. Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 US-Dollar zahlen, teilte das Leverkusener Unternehmen mit. Das sei eine erhebliche Prämie für die Monsanto-Aktionäre. "Bayer will durch die Übernahme von Monsanto ein weltweit führendes Unternehmen der Agrarwirtschaft werden", heißt es in der Mitteilung. Zur Finanzierung setzt Bayer auch auf eine Kapitalerhöhung. Die Offerte entspreche einem Aufschlag von 37 Prozent auf den Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen. Die Monsanto-Aktien hatten am Freitag bei 101,52 Dollar geschlossen.

Monsanto wird an der Börse derzeit mit etwa 45 Milliarden Dollar (etwa 40 Milliarden Euro) bewertet. Bayer ist etwa das Doppelte wert. Mit der Übernahme würde der deutsche Konzern, der sich immer mehr auf die Sparten Pharma und Agrar konzentrieren will, zum weltgrößten Agrarchemiehersteller werden. Mit Monsanto würde das Agrargeschäft von Bayer eine viel größere Rolle spielen. Der US-Konzern erlöst jährlich etwa 13 Milliarden Euro mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Monsanto ist mit dem Vertrieb des Pflanzenschutzmittels Glyphosat unter dem Namen Roundup Ready bekannt geworden. Aufsichtsbehörden müssen der Fusion allerdings noch zustimmen.

Das Wall Street Journal schrieb unter Berufung auf Zahlen der Bank Morgan Stanley, gemeinsam würden die Unternehmen gut ein Viertel (28 Prozent) der weltweit verkauften Pflanzenschutzmittel absetzen. Sehr stark wären sie auch im US-Geschäft mit Getreide- und Sojasamen. Für die Zusammenarbeit spricht, dass Monsanto vor allem in den USA aktiv ist, Bayer dagegen vor allem in Europa und Asien. Die Saatgutsparte sowie die Nordamerika-Geschäfte des zusammengeschlossenen Unternehmens sollen vom Monsanto-Hauptsitz in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) aus gesteuert werden. Der Pflanzenschutz soll in Monheim am Rhein angesiedelt sein.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte die Kartellbehörden dazu auf, die Fusion zu verhindern. "Wir brauchen im Agrarbusiness weniger Machtwirtschaft und dafür mehr Marktwirtschaft", sagte Hofreiter der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der neue Konzern würde das Machtgefälle zwischen Agrarindustrie und Bauern weiter verschärfen. "Die Bayer-Bosse folgen reiner Gewinnmaximierung. Der geplante Deal würde die Welt nicht besser machen, sondern schlechter", sagte er. Zu erwarten sei weniger Wettbewerb, mehr Druck auf die Bauern, mehr Gentechnik sowie "mehr Ödnis auf den Feldern".

Monsanto war im Sommer mit dem Versuch gescheitert, beim Pflanzenschutzspezialisten Syngenta einzusteigen. Das Schweizer Unternehmen geht nun für 43 Milliarden Dollar an den chinesischen Staatskonzern ChemChina. Nach Ankündigung der Fusion der US-Chemiekonzerne DuPont und Dow Chemical, die das Agrarchemiegeschäft als eigenständiges Unternehmen planen, steht Monsanto unter Druck. Der Konzern kappte jüngst die Gewinnprognose für dieses Jahr und baute Stellen ab.

Monsanto erlöst pro Jahr gut 15 Milliarden Dollar (etwa 13 Milliarden Euro) mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Bayer kam im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro.