In den vergangenen Monaten kämpfte Volkswagen (VW) vor allem mit negativen Schlagzeilen in puncto Abgasskandal. Dies will der Konzern nun hinter sich lassen. "Wir wollen einen großen Wurf, mit dem wir uns an die Spitze der Industrie setzen können", zitiert das Handelsblatt die Pläne des Autoherstellers, der demnach mehrere Milliarden Euro in neue Antriebstechnologien investieren will. Wie die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, will VW dafür eine eigene Batteriefabrik bauen, um damit die Abhängigkeit von den dominierenden asiatischen Herstellern in diesem Bereich zu verringern und so auch dem US-Pionier Tesla Paroli zu bieten, der derzeit die bislang größte Zellfertigung der Welt in der Wüste von Nevada baut.

Die Pläne zum Bau der Fabrik sind laut Handelsblatt Teil einer neuen "Strategie 2025", die die VW-Führung um Konzernchef Matthias Müller derzeit ausarbeitet und dem Aufsichtsrat noch vor der Hauptversammlung am 22. Juni vorstellen will. In den kommenden zehn Jahren, so berichtet die Zeitung, sollen VW und Audi, Seat, Škoda und Porsche eine Million Elektroautos im Jahr bauen – im Gegensatz zu derzeit 67.000 Autos mit Stromantrieb im vergangenen Jahr. Geplant ist demnach auch eine Arbeitsteilung innerhalb des Konzerns: So soll die VW-Gruppe vor allem die Elektroautos auf die Straße bringen und Audi sich vor allem um die Brennstoffzelle kümmern.

Der Bau einer eigenen Batteriefabrik ist dann vor allem eine strategische Frage, so Handelsblatt, um sich langfristig aus der Abhängigkeit von Panasonic, LG und Samsung zu befreien. Das Risiko einer solchen Entscheidung sei nach Einschätzung von Konzernmanagern indes hoch, vor allem da man die bereits etablierten Hersteller in puncto Kosten, Logistik und Vertrieb übertrumpfen müsste. Zudem sei man auf Partner angewiesen, die man etwa in Bosch oder Continental finden würde; auch diese beiden deutschen Traditionsunternehmen stehen angesichts der Elektrifizierung der Automobilindustrie vor Umbrüchen und dürften ebenfalls auf der Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten sein.

VW-Markenchef Herbert Diess hatte bereits im vergangenen November ein Umdenken gefordert. "Ich bin der Meinung, wir brauchen eine Batteriefertigung in Deutschland. Das ist die Kerntechnologie der Elektromobilität", zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. "Ein großer Teil der Wertschöpfung wird in Zukunft die Batterie sein. Insofern fände ich eine konzertierte Aktion richtig." Dabei geht es vor allem um die Produktion von Batteriezellen, die als Schlüssel für den Durchbruch von Elektroautos gelten, weil sie bislang die Reichweite begrenzen und die Fahrzeuge teuer machen.

Auch in den Reihen der VW-Arbeiternehmerschaft finden die Pläne der Konzernspitze laut Handelsblatt zunehmend Anhänger. Demnach hat sich Betriebsratschef Bernd Osterloh bereits in der Vergangenheit für eine solche Investition stark gemacht und auch das Land Niedersachsen als Großaktionär sei grundsätzlich dafür – vor allem wenn die Fabrik in dem Bundesland, etwa an den bisherigen VW-Standorten Kassel oder Salzgitter gebaut würde. So könnte man zugleich die Jobs Tausender Mitarbeiter sichern, die gegenwärtig noch mit Bau und Montage von Getrieben und Dieselmotoren beschäftigt sind – Komponenten, die in Zukunft wegfallen. So warnte Osterloh im März laut Teilnehmerkreisen auf einer Betriebsversammlung, das Werk werde in den kommenden 10 bis 15 Jahren durch die Veränderung der Antriebstechnologie "vor ein massives Beschäftigungsproblem" gestellt.

Offiziell wollte VW die Berichte über die neuen Pläne nicht bestätigen. Ein Sprecher nannte sie "Spekulationen", die das Unternehmen nicht kommentiere. "Grundsätzlich gilt: Wir haben die Elektromobilität in die Mitte des Konzerns geholt und umfangreiche Kompetenzen aufgebaut." Volkswagen habe sich das Ziel gesetzt, bis 2018 Marktführer in der E-Mobilität zu werden.

Auch die von der Bundesregierung, der Industrie und Forschungsinstitutionen 2010 ins Leben gerufene Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat sich schon vor einiger Zeit dafür ausgesprochen, den Aufbau einer Batteriezellproduktion in Deutschland zu prüfen. "Die Batterie macht 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung des Elektrofahrzeugs aus. Sie ist Kernstück des Fahrzeuges und damit ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette", sagte der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann. "Zugleich bestimmt die Batterie wesentliche Eigenschaften des Elektrofahrzeuges wie Performance und Kosten und beeinflusst damit unmittelbar die Nutzerakzeptanz der Elektromobilität. Die Batteriezelle ist neben Steuerungselektronik, Software und Kühlung dabei eine relevante Komponente im Batteriesystem."