Das Möbelunternehmen Ikea ruft in den USA und Kanada 36 Millionen Kommoden zurück. Die US-Verbraucherschutzbehörde Consumer Product Safety Commission (CPSC) macht die Ikea-Kommoden für den Tod von sechs Kleinkindern seit 1989 verantwortlich. Bei den Todesfällen waren die Kommoden auf die Kinder gekippt.

In Europa werden die Möbelstücke weiter verkauft. Eine Sprecherin sagte, dass die Kommoden in Europa alle Sicherheitsbestimmungen erfüllten. Der Rückruf gelte nur für Nordamerika. Er geht auf einen freiwilligen Sicherheitsstandard der Industrie in den USA zurück, der sich auf freistehende Kleiderschränke bezieht. Die Ikea-Sprecherin sagte, man habe den Standard nicht angenommen, "weil Ikea-Kommoden an der Wand befestigt werden sollen". Über Kippunfälle mit ordnungsgemäß verankerten Kommoden habe Ikea keine Informationen. 

Dennoch habe sich Ikea mit CPSC auf den Rückruf verständigt. Die New York Times schreibt, dass Ikeas Schritt ein entscheidender Sieg für Verbraucherschützer sei. Sie hätten jahrelang versucht, Ikea für den Tod von Kleinkindern seit 1989 verantwortlich zu machen.

Nach Angaben von CPSC ist im Februar ein 22 Monate alter Junge im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, als eine Kommode des Typs Malm auf ihn gefallen war. 2014 gab es zwei Todesfälle in den Bundesstaaten Pennsylvania und Washington. Die anderen drei Fälle liegen laut CPSC länger zurück. So starb ein 20 Monate altes Mädchen im Jahr 1989. Die Behörde weiß nach eigenen Angaben darüber hinaus von 36 Fällen, in denen Kinder verletzt wurden.

Lars Petersson, Ikea-Chef in den USA, sagte: "Der Tod eines Kinds ist ein unglaublicher Verlust. So etwas sollte niemals geschehen." Gleichzeitig sagte er: "Wenn Sie das Produkt korrekt anbringen, ist es eigentlich sehr sicher." Die Produkte hätten einen Hinweis in der Gebrauchsanweisung, dass man sie an die Wand schrauben müsse.

Als Teil des Rückrufs bietet Ikea an, entweder die entsprechenden Kommoden von zu Hause abzuholen und Geld zurückzuerstatten oder sie vor Ort an der Wand zu befestigen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Ikea gratis Sets für Möbel verteilt, die für Kippunfälle anfällig sind. Mit den Sets konnten die Kunden die Möbel an der Wand verankern.

Bereits der vierte Rückruf in einem Monat

Von dem Rückruf betroffen waren neben verschiedenen Ausführungen der Malm-Kommoden auch noch andere Regale mit Schubkästen. Nach Angaben der CPSC waren in den USA in den vergangenen Jahren rund 29 Millionen Stück von ihnen verkauft worden, in Kanada 6,6 Millionen.

Ikea musste in diesem Monat bereits zum vierten Mal Produkte zurückrufen. Erst am Montag hatte das Möbelunternehmen dunkle Schokolade zurückgezogen, weil der Milch- und Haselnussgehalt auf den Packungen nicht ausreichend angegeben war. Weil sich das Treppengitter Patrull in mehreren Fällen unerwartet geöffnet hatte, bat Ikea seine Kunden, es wegen Sturzgefahr zurückzubringen. Anfang des Monats hatten die Schweden Kühl- und Gefrierschränke zurückgerufen, weil sich Benutzer einen Stromschlag holen könnten.