Ausgerechnet Inditex und H&M: Die Könige der Wegwerfmode – Inditex verkauft unter anderem Kleidung der Marke Zara – werden von Greenpeace als umweltfreundliche Pioniere gelobt. Allerdings für ihre saubere Kleidung und nicht für ihr Geschäftsmodell. Den beiden Unternehmen sei es in den vergangenen Jahren besonders gut gelungen, schädliche Chemikalien aus den Fabriken ihrer Lieferanten zu verbannen, heißt es in einem neuen Report der Umweltorganisation. Auch Benetton gilt den Fachleuten als Avantgarde der schadstoffarmen Produktion.

Greenpeace beschäftigt sich seit Jahren mit Chemikalien in Kleidung. Denn die sind ein Problem – je nach Schadstoffkonzentration in den Textilien für die Kunden, noch mehr aber für Arbeiter und die Umwelt in den Produktionsländern. In China beispielsweise sind laut Greenpeace über 60 Prozent der Trinkwasserreserven der großen Städte wegen der giftigen Abwässer der Textilproduktion stark verschmutzt.

In dem neuen Bericht untersucht die Umweltorganisation nun, wie weit die Modeunternehmen in ihrem Bestreben gekommen sind, schädliche Chemikalien aus ihren Lieferketten zu verbannen. Haben sie einen durchdachten "Detox-Plan"? Schließen sie auf Grundlage nachvollziehbarer Kriterien die richtigen Stoffe aus der Produktion aus? Sind die als krebserregend geltenden per- und polyfluorierten Chemikalien verboten? Veröffentlichen die Zulieferbetriebe ausreichend Daten über ihre Abwässer und werden die Daten auch kontrolliert? Und nicht zuletzt: Achten die Modekonzerne darauf, dass ihre Lieferanten nicht nur für sie schadstoffarm produzieren, sondern auch für alle anderen Kunden, in der kompletten Fabrik?

Insgesamt wurden 19 Modemarken anhand von diesen Fragen überprüft. Sie alle haben sich Greenpeace zufolge der Kampagne der Organisation für saubere Kleidung angeschlossen und versprochen, bis 2020 schadstofffrei zu produzieren.

Textilbündnis? Nur ein "Minimalstandard"

Inditex, H&M und Benetton sind den Ergebnissen zufolge besonders weit. Die drei Unternehmen "beweisen, dass eine schadstofffreie Produktion für Unternehmen jeder Größe möglich ist", sagt Manfred Santen, Chemiker und Textilexperte bei Greenpeace. "Engagierte Marken zeigen, dass es auch in einer komplizierten und verflochtenen Welt möglich ist, die Herstellung von Produkten transparent zu machen." Zugleich kritisiert Santen aber das Fast-Fashion-Geschäftsmodell der drei Marken. "Neue Kollektionen alle paar Wochen belasten die Umwelt und benötigen enorme Ressourcen."

Kritik übt Greenpeace auch an der Initiative des Textilbündnisses für schadstoffarme Kleidung. Dessen Liste von 100 Chemikalien, die nicht mehr eingesetzt werden sollen, sei lediglich ein "Minimalstandard", mit dem "die Freisetzung von krebserregenden oder fortpflanzungsschädigenden Substanzen aus der Textilherstellung nicht in den Griff zu bekommen ist". 

Während Marken wie Adidas, Puma, Levi's und Primark in der Rangliste im Mittelfeld landen, schnitten Esprit, Victoria's Secret, Li-Ning und Nike besonders schlecht ab. Bei Greenpeace sieht man bei diesen Unternehmen "keine echte Bereitschaft zu entgiften". Nike beispielsweise strebe an, "gefährliche Chemikalien lediglich zu reduzieren, nicht zu eliminieren", schreibt die Umweltorganisation. Die schwarze Liste verbotener Stoffe sei "lückenhaft", selbst per- und polyfluorierte Chemikalien seien teilweise erlaubt. Wichtige Daten würden nicht ausreichend offengelegt. Ändere sich nichts, liefen Nike und die anderen drei Letztplatzierten Gefahr, ihre Versprechen zu brechen.