ZEIT ONLINE: Herr Wiklöf, Ihre Kunden sollen in Zukunft spüren, welche Konsequenzen ihr Einkauf für die Umwelt hat. Wie funktioniert das?

Peter Wiklöf: Wir geben eine neue Kreditkarte heraus, die Baltic Sea Card. Ende Juli sollen die Kunden sie erhalten. Wer mit ihr einkauft, den informieren wir per App oder auf seinem persönlichem Onlinebankkonto über die Kohlendioxidemissionen, die durch den Einkauf verursacht wurden.

ZEIT ONLINE: Woher kennen Sie die Zahl?

Wiklöf: Wir arbeiten noch an der Datenbasis. An der Kartenabrechnung können wir jetzt schon sehen, wo unsere Kunden einkaufen: im Lebensmittelladen oder im Kleidungshandel, ob sie einen Flug buchen oder ihr Auto volltanken.

ZEIT ONLINE: Für meine Klimabilanz macht es aber einen Unterschied, ob ich im Lebensmittelladen Möhren aus der Region einkaufe oder Lammfleisch aus Neuseeland. Können Sie denn auch sehen, welche Waren ihre Kunden kaufen?

Wiklöf: Nein, so genau sind unsere Daten tatsächlich nicht. Wer weiß, vielleicht werden sie in Zukunft noch besser. In anderen Branchen sind die Unterschiede aber auch nicht so groß wie im Lebensmittelhandel. Im Moment berechnen wir Durchschnittswerte und lassen uns dabei von Spezialisten einer Beratungsfirma unterstützen. Unsere Kunden sehen also, wie groß der durchschnittliche CO2-Verbrauch beim Einkauf in den von ihnen besuchten Geschäften ist.

ZEIT ONLINE: Wie geschäftsfördernd kann es für eine Bank sein, den Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen?

Wiklöf: Das ist nicht unser Ziel. Wir sagen nicht: Ihr seid Gauner und zerstört die Welt. Das würde ohnehin nicht funktionieren. Wir wollen aber das Bewusstsein unserer Kunden für die Umweltwirkung ihres Handelns schärfen. Ich glaube, die Leute wollen das Richtige tun: verantwortungsvoll einkaufen, möglichst nachhaltig leben. Wir helfen ihnen dabei.

ZEIT ONLINE: Was, wenn Ihre Kunden die Karte nur noch für Öko-Einkäufe nutzen und den Rest anders bezahlen?

Wiklöf: Dann wissen sie ohnehin schon Bescheid und brauchen unsere zusätzlichen Informationen gar nicht mehr. Im Übrigen zwingen wir niemanden, sich seine CO2-Bilanz anzuschauen. Wer sie nicht sehen will, klickt einfach nicht auf den entsprechenden Link.

ZEIT ONLINE: Sie bieten Ihren Kunden auch die Möglichkeit, CO2 zu kompensieren. Wodurch?

Wiklöf: Es gibt drei Wege: Sie können ihr Einkaufsverhalten ändern. Sie können globale Umweltschutzorganisationen unterstützen, oder lokale Projekte. Wir als Bank unterstützen seit Jahren das Baltic Sea Project, das sich dem Schutz der Ostsee verschrieben hat. Auch unsere Kunden können dafür Geld geben. Das Projekt ist uns wichtig – die Inselgruppe, von der wir stammen, liegt mittendrin, und sie ist vielleicht das letzte Umweltparadies in der Ostsee.