Man sagt Restrukturierung und meint Mitarbeiter-Rauskegeln

Restrukturierungen heißen oft nur so. Tatsächlich meinen die Unternehmen damit meist Mitarbeiter-Rauskegeln: Offen samt betriebsbedingten Kündigungen und Sozialplan samt Addieren von Sozialpunkten für Unterhaltspflichten und Angehörigkeit. Oder verdeckt und ohne soziale Rücksichten, bestenfalls mit einer Abfindung. Deutsche Bank, Berliner Bank, Ergo oder Generali-Versicherung sind nur einige der Unternehmen, die gerade Mitarbeiter abschütteln und deren Akten sich bei mir stapeln.

Traditionell arbeiten Unternehmen – und allen voran die Banken – in solchen Phasen mit Kniffen und echten Taschenspieler-Tricks. Von denen sollten betroffene Mitarbeiter sich aber keinesfalls bluffen lassen.

Auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers können Mitarbeiter in dieser Situation nicht zählen.

Gelernte Bluffs

Vorgesetzte und Personaler lernen diese Methoden auf Seminaren und wenden sie dann in Serie an. Dem einzelnen Mitarbeiter widerfahren diese demütigenden Vorgehensweisen aber zum ersten Mal, die Situation ist für ihn neu. Zumal: Er steht meist alleine da, durchschaut die Bluffs nicht und macht sich Sorgen um seine Existenz. Er nimmt die Aussagen des Unternehmens ernst, glaubt seinen Vorgesetzten und verliert über die gezielten Erniedrigungen sein Selbstbewusstsein. Was er gar nicht bräuchte, wenn er klaren Kopf bewahrt.

Die Klaviatur des Mitarbeiter-Vergraulens ist variantenreich und zum Einsatz kommen meistens mehrere Vorgehensweisen gleichzeitig – oder bei manchen Mitarbeitern auch nacheinander.

Dies sind die typischen Verhaltensweisen:

– Das Unternehmen bietet Mitarbeitern Aufhebungsverträge mit Abfindungen an, in der Hoffnung, sie gehen – gelockt vom schnellen Geld – selbst.

– Die Firma versetzt Mitarbeiter in Projekte ohne Zukunft oder auf Stellen, die dann einige Monate später wegrationalisiert werden.

– Die Taktik: Im Personalgespräch, in dem eine Abfindung angeboten wird, reden die Vorgesetzten die Vorjahresergebnisse schlecht. Desillusioniert – und womöglich gezielt getäuscht – unterschreiben viele Mitarbeiter dann schnell einen Aufhebungsvertrag oder suchen sich selbst etwas Neues.

– Die Unternehmensleitung wie die Führungskräfte kommunizieren fast gar nicht. Dann verteilen sie die zukünftigen Stellen nach Gutdünken und auf einmal stehen Mitarbeiter ohne konkrete Aufgabe und Perspektive da. Auch die unterschreiben aus Frust schnell Aufhebungsvereinbarungen.

– In der Praxis stellen Unternehmen einzelne Mitarbeiter auch öfter einseitig frei: Dann schicken sie die Angestellten beispielsweise für drei Wochen nach Hause, damit er alles in Ruhe überdenken könne. Und ohne ihm zu sagen, wie es weiter gehen soll, wenn er nicht weichen will. Das Ziel ist: er soll zermürbt werden, vereinzelt, von seinem Team schon mal isoliert, vom Markt genommen und entwöhnt werden von seinem Schreibtisch sowie den Kollegen. Diese Freistellungen sind ein Indiz für Schikane, sind meist unwirksam und couragierte Arbeitsrechtsanwälte bekämpfen sie unverzüglich mit einer einstweiligen Verfügung. Denn für solche Freistellungen brauchen Unternehmer sehr gute Gründe. Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf Beschäftigung.