Die Postbank folgt einem grundlegenden Trend in der Finanzbranche und verlangt – genau wie viele Konkurrenten auch – künftig eine Gebühr für das Eröffnen und Führen eines Girokontos. Die Maxime dabei fasst Susanne Klöß-Braekler, Mitglied im Vorstand von Deutschlands größter Privatkundenbank, so zusammen: "Der Kunde wird selbst entscheiden, wie viel er künftig für ein Konto zahlen möchte."

Dabei spielt sie auf das neue Kontenmodell an, bei dem die Kunden die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Konten haben. So führt die Postbank erstmals ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäfte sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. Ein kostenloses Girokonto gibt es künftig nur noch für junge Kunden sowie für solche mit einem Geldeingang von 3.000 Euro monatlich oder mehr. Wer diese Grenze nicht erreicht, aber das "Sorglos-Paket" bucht, zahlt 9,90 Euro pro Monat.

Vor knapp 20 Jahren war die Postbank, derzeit noch eine Tochterfirma der Deutschen Bank und kurz vor dem Sprung an die Börse, mit Gratis-Konten an den Markt gegangen. Dieses Modell fand schnell Nachahmer, insbesondere bei Online-Banken. Im Fall der Kontoführungsgebühren zieht die Bank nun nach, nachdem sich unter anderem viele Sparkassen von der Gratiskultur verabschiedet haben.

Schuld ist die EZB

"Die Zeit der kostenfreien Girokonten ist vorbei", sagte etwa der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Georg Fahrenschon. Angesichts der aus seiner Sicht falschen Zinspolitik müssten alle Marktteilnehmer neue Ertragsquellen erschließen. Und Klöß-Braekler von der Postbank schlussfolgert: "Wenn sich das Zinsniveau in den vergangenen sieben Jahren nicht kontinuierlich nach unten bewegt hätte, dann würden wir solche Bewegungen wie heute auch nicht sehen".

Die Bankenwirtschaft reicht die Verantwortung also an die Europäische Zentralbank (EZB) weiter. Deren Niedrigzinspolitik zwingt die Institute zur Schöpfung neuer Verdienstmöglichkeiten. Mit dem Girokonto ist dies nicht mehr möglich. Denn parken die Banken die Einlagen ihrer Kunden zwischenzeitlich bei der Zentralbank, müssen sie zudem 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. "Eine Quersubventionierung ist nicht mehr möglich", bilanziert Postbank-Vorstand Susanne Klöß-Braekler.

Kontowechsel erleichtern

Verbraucherschützer raten zum Wechsel, wenn man mit seinem Girokonto nicht zufrieden ist oder die Bank die Gebühren erhöht. Tatsächlich könnte dies durch eine Gesetzesänderung Mitte September erleichtert werden, wenn die deutschen Banken eine neue EU-Richtlinie umsetzen müssen. Diese verpflichtet die Finanzbranche, im Fall eines Kontowechsels Daueraufträge und Lastschriftmandate an die neue Bank weiterzugeben.