Für die Einigung mit dem Autoteilehersteller Prevent hat Volkswagen offensichtlich große Zugeständnisse gemacht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitungzog VW die Kündigung einer Kooperation, die für den Lieferstopp gesorgt hatte, teilweise zurück. Ähnliches berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die beiden sächsischen Tochterfirmen des Unternehmensnetzwerkes Prevent, ES Automobilguss und CarTrim, hätten ihre Verträge mit VW um sechs Jahre verlängert. 

Sowohl Prevent als auch VW verzichteten laut den Zeitungen auf Schadensersatzansprüche. Vor allem die Produktionsausfälle bei den Modellen Golf und Passat kann Volkswagen somit nicht in Rechnung stellen. Schätzungen zufolge könnte der Lieferstreik den Hersteller mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben.

Doch VW hat den Berichten zufolge in den langen Verhandlung auch Erfolge errungen: Der Konzern könne sich für Getriebeteile innerhalb der nächsten sechs Jahre einen weiteren Lieferanten suchen. Der Umfang der Aufträge dürfe aber 20 Prozent des Gesamtvolumens nicht überschreiten. Bisher ist Volkswagen bei den Teilen auf die Lieferungen von ES Automobilguss angewiesen. Zum Schutz vor Lieferstreiks wurde den Zeitungen zufolge eine Vertragsstrafe in Millionenhöhe vereinbart.

Über die Inhalte der Einigung haben Volkswagen und Prevent ein Stillschweigen vereinbart. Sprecher bestätigten die Medienberichte nicht. Beide Seiten teilten lediglich mit, Prevent werde die Belieferung kurzfristig wieder aufnehmen. "Die betroffenen Standorte bereiten demgemäß schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor", hieß es in einer Erklärung von VW. 

Einer der Geschäftsführer der ES Autoguss, Alexander Gertung, sagte der FAZ: "Wir haben jetzt nachhaltige Planungssicherheit vor allem mit Blick auf die Arbeitsplätze, mehr als 400 Arbeitsplätze sind damit langfristig gesichert."

Die Hintergründe des Streits wurden nicht bekannt. Dieser hatte deutlich gemacht, wie abhängig große Autokonzerne teilweise von ihren Lieferanten sind. Der Lieferstreik hatte zu Produktionsausfällen in mehreren VW-Werken geführt. Doch auch für die Existenz des Zulieferers war der Ausfall eine große Gefahr.

Zulieferer bilden durch Zukäufe Netzwerke

Ein Sprecher des VW-Gesamtbetriebsrats begrüßte den Durchbruch. "Die Kolleginnen und Kollegen hatten kein Verständnis dafür, dass sie wegen des einseitig verhängten Lieferstopps nicht mehr an ihre Arbeitsplätze gehen konnten", teilte er mit. Auch Niedersachsens Ministerpräsident und Volkswagen-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) äußerte sich erleichtert. Allerdings übte er Kritik am Verhalten der Zulieferer: "Es bleibt bei mir ein Unbehagen über das Vorgehen der Prevent Group, die nicht bereit war, den in unserem Rechtsstaat vorgesehenen Weg einer Klärung vor den Gerichten zu gehen. Sie hat stattdessen einen Großkonflikt mit beträchtlichen Schäden eröffnet."

In den Werken in Emden, Wolfsburg, Zwickau und Braunschweig hatte VW die Arbeitszeit in Teilen der Fertigung in den vergangenen Tagen bereits reduziert. In Kassel und Salzgitter sollten die Drosselungen am Mittwoch und Donnerstag beginnen.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer führte die Eskalation des Streits auf massive Veränderungen in der Eigentümerstruktur der klassischen Zulieferindustrie zurück. Er rief die Autobauer auf, sich bei ihrer Einkaufsstrategie darauf einzustellen. Private Finanzinvestoren kauften gezielt schwächere und teilweise marode Zulieferbetriebe auf, um Netzwerke zu bilden und so Druck auszuüben.