Das Vorgehen des Automobilherstellers Volkswagen im Streit mit Zulieferern hat bei Politikern von Regierung und Opposition für Verärgerung gesorgt. Die Union und die Grünen kritisieren, VW würde mit dem Abrufen von Kurzarbeitergeld die eigenen Kosten verringern wollen.

Mit Kurzarbeit können Unternehmen auf einen Auftragseinbruch reagieren, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Dafür wird vorübergehend die betriebliche Arbeitszeit gekürzt. Für den Verdienstausfall der Beschäftigten springt auf Antrag die Bundesagentur für Arbeit mit dem Kurzarbeitergeld ein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

"Kurzarbeit ist keine Streikkasse für Unternehmen, die sich im Wirtschaftskampf befinden und eingegangene Verträge mutwillig nicht einhalten", sagte der Arbeitsmarktexperte der CDU, Karl Schiewering, der Süddeutschen Zeitung. Ähnlich äußerte sich der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach. "Das Kurzarbeitergeld ist nicht dafür gedacht, dass man seine Nachfragemacht auf dem Buckel der Beitragszahler finanziell absichert", sagte er der Rheinischen Post.

Der Mittelstandsbeauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion, Thomas Gambke, argumentierte ebenso: "Es ist nicht in Ordnung, dass der Beitragszahler belastet wird, weil ein Konzern mit seinen Zuliefererfirmen einen kaufmännischen Konflikt ausficht", sagte er der Zeitung. "Das geht gar nicht."

Die Bild berichtete unter Berufung auf interne Schätzungen, die Zahlung von Kurzarbeitergeld für VW-Beschäftigte könnte rund zehn Millionen Euro pro Woche kosten. Die Summe sei abhängig davon, wie viele der 28.000 bedrohten Mitarbeiter in den sechs VW-Werken letztlich in Kurzarbeit gehen. Die Produktion an den Standorten stoppte bereits teilweise am Montag. Bevor Kurzarbeitergeld ausgezahlt wird, müssen die Mitarbeiter zunächst Überstunden abbauen.

Mit dem Produktionsstopp und Kurzarbeit reagiert Volkswagen auf den Lieferungsstopp seiner beiden Zulieferer ES Automobilguss und Car Trim. Die beiden Unternehmen argumentieren, der Autohersteller zwinge sie zum Lieferstopp, weil "frist- und grundlos" Aufträge gekündigt worden seien. Laut einem Medienbericht geht es um 58 Millionen Euro, die den mittelständischen Unternehmen künftig fehlen und für die sie einen Ausgleich von VW wollen.