Angesichts des tagelangen Boykotts zweier Zuliefererfirmen von Volkswagen hat Betriebsratschef Bernd Osterloh ein stärkeres Engagement des Autokonzerns bei seinen Partnern ins Spiel gebracht. "Wir brauchen aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Tagen ein zusätzliches Warnsystem, um derartige Risiken für Volkswagen zu reduzieren", sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ein denkbarer Ansatz dabei sind Minderheitsbeteiligungen – oder Vorkaufsrechte."

Er denke dabei auch an die Aufstellung des japanischen Rivalen. "Toyota ist im Endeffekt an vielen seiner Zulieferer beteiligt", sagte Osterloh, der als Kontrolleur im VW-Präsidium sitzt, dem Kern des Aufsichtsrats. "Ich will damit jetzt nicht sagen, dass sich VW an all seinen Zulieferern beteiligen soll. Aber an verwundbaren Schlüsselstellen wäre das vielleicht ein Weg."

Zwei Firmen der Prevent-Gruppe – CarTrim und ES Automobilguss aus Sachsen – hatten in den vergangenen Wochen die Lieferung von Bauteilen und Sitzbezügen an VW eingestellt. Das führte zu Produktionsausfällen in mehreren VW-Werken. Nach stundenlangen, teils nächtlichen Verhandlungen wurde der Streit dann am Dienstag beigelegt. Über Details wurde Stillschweigen vereinbart. Medienberichten zufolge hat VW aber große Zugeständnisse gemacht und etwa die Kündigung der Kooperation, die als Auslöser für den Streit gilt, wieder zurückgenommen. Stattdessen haben beide Seiten eine langfristige Partnerschaft beschlossen.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer führt die Eskalation des Streits auf massive Veränderungen in der Eigentümerstruktur der klassischen Zulieferindustrie zurück. Er rief die Autobauer auf, sich bei ihrer Einkaufsstrategie darauf einzustellen. Private Finanzinvestoren kauften gezielt schwächere und teilweise marode Zulieferbetriebe auf, um Zulieferernetzwerke zu bilden und so Druck auszuüben, sagte er. Osterloh will den neuen Eigentümern der Betriebe Paroli bieten: Die Autokonzerne werden einfach selbst Teil ihrer Zulieferer.

VW-Chef Matthias Müller und Finanzvorstand Frank Witter bekommen von Osterloh Rückendeckung. Beide marschierten "genau in die richtige Richtung", was, mit Blick auf die Folgen der Abgasaffäre, nicht überall gelte. "Beim Management muss ich manchmal schon deutlich werden und einigen erklären", so Osterloh, dem eine Fehde mit VW-Markenvorstand Herbert Diess nachgesagt wird. "Wir operieren vor dem Hintergrund von Milliardenbelastungen. Und dass wir für Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren weitere Milliarden für unsere Zukunft aufwenden müssen. Ich glaube, dass das im Volkswagen-Konzern noch nicht alle ausreichend verinnerlicht haben."