Der ehemalige VW-Konzernchef Martin Winterkorn soll vor Bekanntwerden der Abgasaffäre von Manipulationen gewusst und diese zunächst gedeckt haben. Nach Informationen der Bild am Sonntag wurde Winterkorn Ende Juli 2015 von Entwicklern über illegale Software in der Abgastechnik unterrichtet – knapp zwei Monate, bevor VW die Nutzung eines solchen Programms am 20. September auf Druck von US-Behörden einräumte.

Aus dem Konzern hieß es auf Anfrage, man nehme zu Spekulationen um die juristische Aufarbeitung des Themas keine Stellung. "Das ist ein laufender Prozess", sagte ein Sprecher. "Wir können uns dazu nicht äußern."

Die Bild am Sonntag beruft sich bei ihrer Darstellung auf einen ihr vorliegenden vertraulichen Vermerk mit dem Titel Zulassung Diesel USA, den sie auszugsweise abdruckte. Winterkorn soll demnach die "Vorgehensweise" am 28. Juli 2015 "bestätigt" haben, zwei VW-Mitarbeiter das brisante Thema bei einem Gespräch in den USA lediglich "teilweise" offenbaren zu lassen. Belege für eine direkte Anweisung des Managers nennt die Zeitung nicht. Dass Winterkorn von Manipulationen gewusst habe, ergebe sich aus Zeugenaussagen. Spätestens am Vortag, also am 27. Juli, soll er über das ganze Ausmaß der Manipulationen erfahren haben. Er selbst habe sich auf Anfrage der Zeitung nicht dazu geäußert.

Winterkorn will nichts gewusst haben

Die US-Großkanzlei Jones Day untersucht im Zuge des Dieselabgasskandals derzeit VW und befragt dazu zahlreiche Mitarbeiter. Ihr gegenüber sagte Winterkorn laut der Bild am Sonntag aus, ihm sei zum Zeitpunkt der internen Information nicht bewusst gewesen, dass es sich um Betrug handelte – sonst hätte er eingegriffen. Erste Ergebnisse von Jones Day hätten ursprünglich im Frühjahr vorliegen sollen. VW hatte bereits mehrfach mitgeteilt, den Ausgang der Prüfungen zunächst abwarten zu müssen.

Bei dem Treffen in den USA im August letzten Jahres sei den Behörden dann nur berichtet worden, dass betroffene Autos "nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen", schreibt die Zeitung unter Verweis auf einen VW-Vermerk. Von betrügerischen Absichten sei hingegen keine Rede gewesen.

Der Ende September 2015 bekannt gewordene Dieselskandal mit Millionen manipulierten Wagen hat für VW drastische Folgen. In den USA, Deutschland und weiteren Ländern gibt es Zivilklagen und strafrechtliche Ermittlungen.