Die Union kritisiert Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für seinen Angriff auf die angeschlagene Deutsche Bank. Der Obmann der Unionsfraktion im Finanzausschuss des Bundestages, Hans Michelbach, wies dessen Äußerungen als "ziemlich kontraproduktiv" zurück. "Als deutscher Wirtschaftsminister hat man die Aufgabe, den deutschen Wirtschaftsstandort zu fördern und nicht einzelne Marktteilnehmer schlechtzureden", sagte der CSU-Politiker dem Handelsblatt. Die Äußerungen schadeten dem Wirtschaftsstandort Deutschland, "das ist nicht hinnehmbar", sagte er der Passauer Neuen Presse.

Ähnlich äußerten sich andere Unionspolitiker. Er erwarte, dass Gabriel in dieser Funktion die Bedeutung der Deutschen Bank für die deutsche Wirtschaft im Blick behalte. "Deutschland benötigt das Institut, besser sogar zwei, zur Begleitung und Entwicklung bei und für Auslandsengagements der deutschen Wirtschaft", sagte der Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU). Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) nannte es in der Passauer Neuen Presse "nicht klug", auf die Deutsche Bank "draufzuhauen, während sie in einer Konsolidierungsphase steckt".

Der SPD-Chef und Vizekanzler hatte während seiner Reise in den Iran gesagt: "Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt." Weiter sagte er: "Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind." Deren Vorstand John Cyran hatte zuvor Spekulationen gegen das Institut für die derzeitigen Probleme verantwortlich gemacht.

Mehrere Manager deutscher Großkonzerne hatten am Wochenende die Bedeutung der Deutschen Bank für die hiesige Wirtschaft herausgestellt: "Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet", sagte zum Beispiel BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Nationalität des Finanziers zähle auch in der globalisierten Wirtschaft.

Niedrigzinsen bringen Banken in Not

Allerdings muss sich die Deutsche Bank wie auch andere Geldinstitute umbauen. Der Präsident der Finanzaufsichtsbehörde Bafin, Felix Hufeld, sagt tiefgreifende Veränderungen bei den deutschen Banken voraus: "Die niedrigen Zinsen fressen sich wie ein schleichendes Gift in die Bankbilanzen hinein", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Man werde nicht um schmerzhafte Einschnitte herumkommen. Hufeld erwartet Fusionen, vor allem zwischen kleinen Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Darüber hinaus stellen die gestiegenen Anforderungen an die Bilanzen und Regulierungen die Institute vor Probleme.

Zuletzt waren mehrere Institute wie die Commerzbank in Schwierigkeiten geraten und hatten den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt. Die ING-Gruppe teilte am Dienstag mit, 7.000 Stellen streichen zu wollen.

Transatlantischer Streit um Strafzahlungen

Die Deutsche Bank musste zudem Strafzahlungen vor allem in den USA fürchten, die ein erhebliches Risiko für die Bilanz darstellen. Als das US-Justizministerium die Strafforderung wegen fauler Hypothekengeschäfte von 14 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro reduzierte, stieg der Aktienkurs der Deutschen Bank wieder, der zuvor aus den historisch niedrigsten Stand gefallen war. Neben dem Streit mit der US-Justiz sind Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche in Russland das größte bekannte Verfahren. Die Gesamtsumme der Rückstellungen für mehrere Rechtsstreitigkeiten lag bei der Deutschen Bank zuletzt bei etwa 5,5 Milliarden Euro.

In der Union wächst einem Bericht der Welt am Sonntag zufolge auch wegen der Forderungen gegen die Deutsche Bank die Sorge vor einem transatlantischen Wirtschaftsstreit. "Was wir derzeit erleben, hat wirtschaftskriegsähnliche Züge", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer (CSU). Die Schadenersatzforderungen gegen die Deutsche Bank bezeichnete er als "erpresserisch". Ähnlich hatten sich auch schon US-Politiker beim Vorgehen der Europäischen Union etwa gegen Apple, McDonald's oder Starbucks geäußert.

In deutschen Banken wächst einer nicht repräsentativen Umfrage zufolge die Angst vor den Behörden. Jede zweite Fach- oder Führungskraft zweifelt daran, dass die internen Abläufe geltendem Aufsichtsrecht entsprechen, fand Procedera Consult bei einer Befragung von 100 Fach- und Führungskräften heraus. 59 Prozent bemängeln demnach fehlende Kontrollen, obwohl gesetzlich vorgeschrieben ist, mögliche Risiken zu überwachen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Externe Prüfer beanstanden vor allem widersprüchlich formulierte interne Anweisungen oder doppelt beschriebene Vorgänge und Regelungslücken.