Die Briten bekommen die Folgen des Brexit jetzt jeden Morgen unmittelbar zu spüren: Der beliebte Brotaufstrich Marmite ist am heutigen Donnerstag aus dem Onlineshop des Supermarktriesen Tesco verschwunden. Die geschmacksintensive Paste aus Hefeextrakt ist auf der Insel Kult, entsprechend hoch ist in britischen Medien die Aufmerksamkeit, es ist gar vom Marmite-Krieg die Rede.

Nach Angaben des britischen Guardian gibt es Streit um die Preisgestaltung: Unilever will die Preise für bestimmte Produkte um bis zu zehn Prozent anheben. Grund dafür sei die Pfund-Schwäche infolge des Brexit-Entscheids. Weil Tesco das nicht akzeptiere, habe der Konsumgüterkonzern kurzerhand die Belieferung gestoppt.

Der Supermarktriese teilte lediglich mit, es gebe Probleme bei der Belieferung von Unilever. Im Tesco-Onlineshop war zu lesen, Marmite sei derzeit nicht erhältlich. "Wir hoffen, diese Probleme bald gelöst zu haben." Unilever wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.

Neben Marmite waren auch weitere Unilever-Produkte wie der Tee PG Tips und die Eiscreme Ben & Jerry's bei Tesco nicht mehr online erhältlich. Große Empörung entzündete sich aber ausschließlich an der Abwesenheit von Marmite.

Die seit mehr als einem Jahrhundert in Großbritannien verzehrte Paste wird aus Hefe hergestellt, die zum Bierbrauen benutzt wurde. Der Werbespruch lautet "Liebe es oder hasse es". Die Briten schmieren sich Marmite meist auf Toast, nach Herstellerangaben kann die Creme aber zum Beispiel auch für das Würzen von Zwiebelsuppe oder Bolognesesoße verwendet werden.

In sozialen Netzwerken sind intensive Diskussionen über #marmategate entbrannt. Auch an der Börse zeigten sich die Auswirkungen des Marmite-Mangels: Die Unilever-Aktie verlor in London zuletzt 2,86 Prozent. Auch Tesco-Titel büßten mehr als 2 Prozent ein. Unilever-Finanzchef Graeme Pitkethly spielte die Bedeutung des Streits herunter. Großbritannien trage nur zu fünf Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe bei, sagte er. Man versuche, den Disput aber so schnell wie möglich zu lösen.