Der Vorstandschef der US-Bank Wells Fargo ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. John Stumpf zieht damit die Konsequenzen aus dem Skandal um Scheinkonten. "Ich habe entschieden, dass es das Beste für die Firma ist, wenn ich zur Seite trete, sagte Stumpf. Stumpf war seit 2007 Chef der Bank und führte das Unternehmen auch durch die Finanzkrise 2008.

Wells Fargo teilte mit, der operative Geschäftsführer Tim Sloan übernehme den Posten von Stumpf. Wegen umstrittener Geschäftspraktiken hatte das Direktorium John Stumpf bereits einen Aktienbonus von 41 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) gestrichen. Der Zeitpunkt des Rücktritts von Stumpf kommt dennoch überraschend. Laut New York Times sind die internen Ermittlungen zu der Einrichtung von Scheinkonten noch nicht abgeschlossen.

Die Bank war in die Schlagzeilen geraten nachdem bekannt wurde, dass Mitarbeiter fünf Jahre lang Konten und Kreditkarten eingerichtet hatten, ohne die Kunden zu fragen. Auch Geld der Kunden wurde auf die unerlaubt eingerichteten Konten transferiert.

In den fünf Jahren sollen Mitarbeiter rund zwei Millionen Konten und Kreditkarten ungefragt eingerichtet haben. Die Bank entließ nach dem Bekanntwerden der Geschäftspraktiken rund 5.300 Angestellte. Zudem stimmte sie einer Entschädigungszahlung von 185 Millionen Dollar zu.

Der New York Times sagten ehemalige Mitarbeiter der Bank, sie hätten wegen des hohen Drucks auf Abschlüsse so gehandelt. Angeblich sei dieser Druck bereits vor elf Jahren von Mitarbeitern angesprochen worden. Die Vertriebschefin Carrie Tolstedt hatte bereits im Juli ihren Rücktritt angekündigt. 

Stumpf musste sich einer Anhörung im US-Senat stellen. Der Vorstandschef übernahm bei der Anhörung die Verantwortung für den Skandal, stritt jedoch ab, dass es ein grundsätzliches Problem mit der Kultur der Bank gebe. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte Stumpf daraufhin zum Rücktritt auf.