Zu Beginn seines Besuchs im Iran hat Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) die Deutsche Bank kritisiert. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer erklärt", sagte Gabriel auf dem Flug nach Teheran. Er bezog sich dabei auf Vorwürfe aus der Deutschen Bank, das Unternehmen sei Opfer von Spekulanten.

Der Bundeswirtschaftsminister sieht die Gründe für die schwierige Lage der größten deutschen Bank beim Management. "Das Szenario ist, dass Tausende Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Sie tragen jetzt die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern", sagte Gabriel. Auf die Frage nach möglichen staatlichen Finanzspritzen sagte er, seine Sorge gelte dem Verlust von Jobs, nicht so sehr dem Geldinstitut selbst. "Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind", sagte Gabriel weiter. 

Die Deutsche Bank stand zuletzt wegen eines Rechtsstreits in den USA stark unter Druck. Das US-Justizministerium forderte 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren, die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Nachricht von der US-Forderung löste Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus, die sowohl von der Bank als auch von der Bundesregierung zurückgewiesen wurden.

Unter dem Eindruck der Milliardenforderung fiel der Aktienkurs des Unternehmens am Freitag kurzzeitig zum ersten Mal überhaupt unter den Preis von zehn Euro. Später legte der Kurs allerdings wieder zu, als bekannt wurde, dass die Strafzahlung wohl deutlich niedriger ausfallen wird. Die Summe soll auf 5,4 Milliarden Dollar herabgesetzt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen erfuhr.