In Seoul hat Südkoreas Staatsanwaltschaft mehrere Büros von Samsung durchsucht. Der Elektronikkonzern steht im Verdacht, in einen Korruptionsskandal der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye verwickelt zu sein. So soll der Konzern die Tochter einer langjährigen Vertrauten der Präsidentin unter der Hand finanziell unterstützt haben. Der weltgrößte Hersteller von Smartphones, Fernsehern und Speicherchips bestätigte die Durchsuchung, ohne weitere Details zu nennen.

Medienberichten zufolge soll Samsung Electronics bis zu 2,8 Millionen Euro an Parks Vertraute Choi Soon Sil gezahlt haben, um den Reitunterricht für deren Tochter in Deutschland zu finanzieren. Grundlage dieses klandestinen Sponsorings soll ein Beratervertrag mit einem Unternehmen Chois gewesen sein.

Choi, die in der vergangenen Woche wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch festgenommen worden war, soll ihre Beziehungen zur Präsidentin dazu genutzt haben, um von südkoreanischen Unternehmen wie Samsung Spenden für ihre angeblich wohltätigen Stiftungen einzutreiben, aus denen sie sich dann persönlich bereichert haben soll. Darüber hinaus wird Choi vorgeworfen, Einfluss auf die Regierungsarbeit von Park genommen zu haben.

Die Präsidentin ist durch den Skandal zunehmend in Bedrängnis geraten. In einem Versuch, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen, bildete Park ihr Kabinett um und tauschte Berater aus. Zudem machte sie ein Zugeständnis mit womöglich weitreichenden Folgen: Sie werde ihren Wunschkandidaten für das Amt des Regierungschefs zurückziehen und stattdessen das Parlament einen Bewerber auswählen lassen, teilte sie am Dienstag mit. Dieser Beschluss könnte ihren Spielraum in der Regierungsführung in den restlichen 15 Monaten ihrer Amtszeit erheblich einschränken.

Zuletzt hatte Park eingeräumt, dass ihre langjährige Freundin Choi Soon Sil ihr beim Verfassen von Reden und bei anderen Aspekten der "Öffentlichkeitsarbeit" geholfen habe. Doch spekulieren örtliche Medien, dass der Einfluss ihrer Bekannten auf Regierungsgeschäfte tiefer ging als von Park dargestellt. Dabei hat Choi kein offizielles Amt inne. Sie ist die Tochter eines früheren Sektenführers und Förderers von Park.

Am Samstag hatten Zehntausende Südkoreaner gegen die Regierung protestiert und den Rücktritt der Präsidentin gefordert. Die Korruptionsaffäre zieht allerdings weitere Kreise. Auch ehemalige Berater und Mitarbeiter Parks wurden festgenommen.