Die anhaltenden Turbulenzen bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin haben Medienberichten zufolge personelle Konsequenzen. Nach Informationen des Manager Magazins und der Bild am Sonntag aus Konzernkreisen, steht Stefan Pichler kurz vor der Ablösung durch den bisherigen Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann. Dieser solle einen Vertrag über eineinhalb Jahre erhalten. Winkelmann leitete fast ein Jahrzehnt die Billigfluglinie Germanwings, bevor er 2015 zum Mutterkonzern Lufthansa wechselte. Derzeit verantwortet er das Lufthansa-Drehkreuz München. 

Der Aufsichtsrat soll sich mit der Personalie heute Nachmittag in einer Sondersitzung befassen. Als Rücktrittsdatum für Pichler ist laut Manager Magazin der 31. Januar 2017 vorgesehen. 

Air Berlin macht seit Längerem Verluste und ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet. Ende September hatte das Unternehmen bekannt gegeben, mit einem drastischen Sparkurs gegensteuern zu wollen. So will die angeschlagene Fluglinie nur noch eine Kernflotte betreiben und bis zu 1.200 der 8.600 Mitarbeiter entlassen. 

Das Unternehmen versucht, durch das Verleasen von Maschinen seine Kosten zu drücken. Ab dem kommenden Jahr sollen etwa 38 Airbus-Mittelstreckenjets samt Besatzungen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines starten. Zudem wollen Lufthansa und Air Berlins Großaktionärin Etihad eigene Flüge unter der Flugnummer ihrer Partnerin vermarkten, wie sie mitteilten. Die Lufthansa will damit vor allem ihre Billigmarke Eurowings ausbauen. 

Air Berlin schrumpft so praktisch um die Hälfte auf noch etwa 75 Flugzeuge. Neben der Mietvereinbarung mit der Lufthansa will sich das Unternehmen von seinem Touristikgeschäft samt der österreichischen Tochter Niki trennen. Niki soll zusammen mit der Fluglinie Tuifly des weltgrößten Reisekonzerns Tui einen gemeinsamen Ferienflieger bilden. 

Pichler war erst seit Februar 2015 Air-Berlin-Chef. Laut Bild am Sonntag soll er sein Ausscheiden nun jedoch selbst geplant haben, nachdem zentrale Teile des Sanierungskurses eingeleitet wurden. Die Fluggesellschaft hatte in den vergangenen Jahren immer wieder wechselnde Vorsitzende. Nach dem Rücktritt von Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold im September 2011 wäre Winkelmann der vierte Vorstandschef in gut fünf Jahren.