Für den früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ist Amazons Ankündigung logisch, aber bedrohlich. "Das ist die Übertragung dessen, was Amazon im Netz macht, auf die reale Welt", sagt Schaar. Problematisch sei dieser nächste Schritt. "Die Daten aus dem Netz werden mit den Daten der Sensoren verknüpft, was dazu führt, dass die Verbraucher identifiziert und ihre Bewegungen im Shop aufgezeichnet werden." Den Datenschützer treibt vor allem um, was genau mit den Informationen passiert, die Amazons verknüpfte Apps und Sensoren sammeln.

Schaar kritisiert, dass bei Einkauf in einem Amazon-Go-Supermarkt für den Kunden nicht nachvollziehbar ist, welche Daten gesammelt werden und was damit passiert – mit Bewegungsprofilen, automatisch erkannten Bildern oder der Analyse von Emotionen beim Einkaufen. Auch personalisierte Preise seien denkbar. "Ich gehe davon aus, dass die Infos auf Servern gespeichert werden und ein sehr exaktes Profil zusammengestellt wird", sagt Schaar. Der Kunde werde zum Objekt und habe keine Chance auf Augenhöhe mit Amazon." Das Konzept basiert darauf, den Menschen total zu kontrollieren."

In Europa und Deutschland würde das seiner Ansicht nach datenschutzrechtlich nicht funktionieren. "Deshalb ist es wichtig, dass der deutsche und europäische Datenschutz auch in Zukunft einen Gegenpol bildet", so Schaar. Was Amazon plane, ginge über die Erfüllung eines Vertragsverhältnisses hinaus. Nach hiesigem Datenschutzrecht wäre eine Einwilligungserklärung des Kunden nötig. "Die kann aber nicht wirksam sein, solange der Betroffene nicht überblicken kann, wie, wo und wofür seine Daten verwendet werden", sagt Schaar.

Was Kunden aber offenbar am meisten schätzen sind Service und Bequemlichkeit. Und Amazon befriedigt dieses Bedürfnis mit immer neuen Ideen. Das Konzept der Amazon Go Lebensmittelläden jedenfalls passt zur konsequenten Strategie des Unternehmens, immer näher an seine Kunden heranzurücken, auch in der analogen Welt. Längst werden Lieferungen nicht mehr nur mit der Post oder Paketdiensten gebracht. Mit seinen eigenen Lieferdiensten Amazon Prime oder Amazon Prime Now schickt das Unternehmen inzwischen eigene Kuriere direkt zu seinen Kunden und übergibt die Waren persönlich. Sogenannte Pick-up-Stores plant Amazon ebenfalls. Auch sie sollen bald eröffnen. Kunden können hier ihre bestellte Ware direkt selbst abholen, ebenfalls mit angekündigt nur geringer Wartezeit.