Flüchtlinge sollen nach Ansicht von Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise schneller und besser auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Städte und Gemeinden sollten mehr Ein-Euro-Jobs schaffen, damit Flüchtlinge bereits während ihres Asylverfahrens erste Joberfahrungen sammeln könnten, sagte er in einem Interview. Bisher nutzten laut Weise die Kommunen das vom Bund geförderte Programm nicht ausreichend. Neben seiner Aufgabe als Chef der Bundesagentur leitet Weise auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Die Bundesagentur verwaltet die Vergabe der Ein-Euro-Jobs. Bereitgestellt werden müssen die Jobs aber von den Städten und Gemeinden. Der Bund übernimmt die Kosten dafür. Von den 100.000 bereitgestellten Ein-Euro-Jobs seien bis zum 25. November lediglich 6.500 genehmigt gewesen. "Es gibt Kommunen, die machen das hervorragend. Bei anderen wünsche ich mir, dass sie hier bald nachziehen", sagte Weise.

Der Chef der Bundesagentur geht zudem davon aus, dass Flüchtlinge 2017 verstärkt auf den deutschen Arbeitsmarkt drängen werden. "Da wird man sehen, ob es gelingt, eine größere Zahl von ihnen in Arbeit zu bringen – sei es mit Hilfstätigkeiten oder über Praktika und Einstiegsqualifizierungen."

Zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016 ist die Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen laut Weise um rund 100.000 Personen gestiegen. Zugleich nahm aber auch die Zahl der Flüchtlinge zu, die einen regulären Job fanden. Zwischen September 2015 und September 2016 stieg ihre Zahl um 34.000. Meist seien sie als Reinigungskräfte, in der Lager- und Logistikbranche, als Küchenhilfen sowie als Zeitarbeits- und Bürokräfte beschäftigt.

Auch nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands BDA ist die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt schwerer als erwartet. Ein Grund dafür ist laut BDA-Vizepräsident Gerhard Braun, dass die Vorbildung der Flüchtlinge deutlich schlechter sei, als man gehofft habe. "Wer davon träumt, dass nach einem Jahr Hunderttausende schon in Beschäftigung sind, kennt die Zusammenhänge nicht", sagte Braun. Denn Integration sei ein langwieriger Prozess. Bisher kämen die Flüchtlinge leichter in Berufen unter, in denen Sprachkenntnisse und berufliche Vorbildung weniger wichtig seien. "Als Dachdecker und Maurer braucht man nicht so perfekt Deutsch sprechen zu können wie beispielsweise in der Chemieindustrie."

Praktika und Weiterbildungen bei Großkonzernen

Insgesamt waren im November 2016 rund 120.000 Menschen aus außereuropäischen Asylherkunftsländern in Beschäftigung, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das waren 34.000 mehr als ein Jahr zuvor. Mehrere Wirtschaftsverbände und große Unternehmen haben Aktionsprogramme gestartet, um Flüchtlinge als Auszubildende sowie Arbeitskräfte zu gewinnen und weiterzubilden. 

So hat der Chemiekonzern BASF etwa sein Programm für Berufseinsteiger von 53 auf 300 Plätze aufgestockt. Bei Bosch bekamen 400 Geflüchtete die Möglichkeit Praktika zu machen, Autobauer Daimler hat mehr als 600 sogenannte Brückenpraktikanten ausgebildet, die Deutschkurse bekommen und im Schichtdienst in der Produktion arbeiten. Hinzu kamen 50 zusätzliche Arbeitsplätze für Flüchtlinge. 

Auch die Deutsche Bahn hat sich auf die neue Situation eingestellt und bietet ein 28-monatiges Umschulungsprogramm an. Zusätzlich haben die Telekom, der Softwarekonzern SAP und Siemens Programme gestartet, die Geflüchteten bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen sollen.