80.000 Elektroautos wollte Tesla im abgelaufenen Jahr ausliefern – mit 76.230 Stück hat Unternehmenschef Elon Musk das selbst gesteckte Ziel verpasst. Was unter anderem an Problemen im vierten Quartal lag: Die Umstellung auf neue Bauteile beim Autopiloten habe zwischen Oktober und Dezember zu Produktionsschwierigkeiten geführt, erläutert der Autohersteller. Die Folge: Die Kalifornier produzierten in diesem Zeitraum in ihrem Werk in Fremont zwar 24.882 Autos, von denen aber nur 22.200 ausgeliefert werden konnten. Wegen der Fertigungsprobleme musste Tesla geplante Schiffstransporte nach Europa und Asien absagen.

Im Gesamtjahr produzierte Tesla insgesamt 83.922 Model S und X, doch das Unternehmen zählt nur Auslieferungen, bei denen nach eigenen Worten der Papierkram vollständig erledigt ist. Aktuell befinden sich 6.450 Elektroautos in der Auslieferungsphase. Die verbleibende Differenz von 1.242 dürften Vorführ- und Firmenfahrzeuge sein. Anleger reagieren verhalten auf die Lieferzahlen: Im vorbörslichen Handel sank der Aktienkurs um zwei Prozent auf 212,60 Dollar. Umsatz und Gewinn für das vierte Quartal meldet Tesla voraussichtlich Anfang Februar.

"Das Risiko von Fehlfunktionen und von Kostensteigerungen sowie das Risiko, Lieferdaten zu verpassen, ist für 2017 hoch", schreibt Brian Johnson, Analyst bei Barclays. Er glaubt, Tesla werde das Model 3 – das kleinste Elektroauto des Herstellers, auf das viele schon gespannt warten – nicht rechtzeitig liefern, vermutlich sogar in diesem Jahr kein einziges an Kunden übergeben. Geplant ist der Produktionsbeginn in der zweiten Jahreshälfte. Musk hatte eigentlich zugesichert, erste Fahrzeuge zum Preis ab 35.000 Dollar noch 2017 an Käufer auszuliefern.

Ehrgeizige Ziele

Die Präsentation des Model 3, das deutlich günstiger ist als die bisherigen Modelle, hatte für großes Interesse gesorgt. 373.000 Vorbestellungen gingen bei dem Unternehmen ein. Doch der Blick auf die aktuelle Jahresproduktion macht deutlich, wie lange Tesla benötigt, um die Order abzuarbeiten. Schließlich wird das Model 3 neben der Fertigungsstraße für Model S und X in Fremont produziert. Bereits seit Oktober erhalten Besteller auf der Webseite den Hinweis, ihr Model 3 werde nicht vor 2018 geliefert.

Beobachter fragen sich, warum Musk immer wieder unrealistische Ziele kommuniziert. Will er damit seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren? Oder umgibt ihn, wie dem früheren Apple-Chef Steve Jobs nachgesagt wurde, ein "reality distortion field", also ein Wahrnehmungsfeld, in dem die Realität verzerrt wird? Der gebürtige Südafrikaner hat jedenfalls mehrfach gezeigt: Klein kann er nicht – ob bei Tesla oder bei seinem Weltraumunternehmen Space X.

Zuletzt lief es richtig gut für Musk. Der künftige US-Präsident Donald Trump holte ihn als Berater in sein Strategic and Policy Forum. Für das dritte Quartal 2016 meldete Tesla 21,9 Millionen Dollar Gewinn, es war der zweite Quartalsgewinn seit dem Börsengang 2010. Die Aktionäre stimmten außerdem der Übernahme von SolarCity zu, einem Anbieter von Solarstromanlagen, den zwei Cousins von Musk 2006 gegründet hatten. Mit der Kombination aus Solarzellen und Solardachziegeln, Batterien und Elektroautos verfolgt Musk das ehrgeizige Ziel einer nachhaltigen Energiegewinnung und -nutzung.