Die frühere Unternehmerfamilie Schlecker muss sich mit schwerwiegenden Vorwürfen der Finanzbehörden auseinandersetzen – und das wenige Tage, bevor in Stuttgart der Strafprozesses gegen die Familie beginnt. Nach Spiegel-Informationen droht das Finanzamt Ehingen mit Steuernachforderungen auf Kapitalerträge von rund 68 Millionen Euro von Meike und Lars Schlecker.

Die Kinder des Unternehmensgründers Anton Schlecker waren den Informationen des Magazins nach bis 2012 Gesellschafter der Firma LDG mbH, eines Logistikdienstleisters, dessen Hauptkunde die Anton Schlecker e. K. war. Als das Unternehmen ihres Vaters in finanzielle Probleme geriet, sollen die Kinder ihrem Vater über die LDG mbH augenscheinlich ein Darlehen über 50 Millionen Euro gegeben haben. Darüber hinaus habe Anton Schlecker mit rund 18 Millionen in der Schuld der Kinder gestanden, da er "Werkleistungen" der LDG mbH in Anspruch genommen habe, ohne sie zu vergüten.

Die Finanzbeamten vertreten nach Angaben des Spiegels die Ansicht, die Gesamtsumme von 68 Millionen Euro sei für den Vater kein echter Kredit gewesen. Vielmehr hätten sich ihrer Ansicht nach die Gesellschafter der LDG mbH, also die Kinder, an der Kasse bedient. Das Finanzamt werte dies als eine verdeckte Gewinnausschüttung, die privat an den Vater weitergereicht wurde.

Als Schlecker Insolvenz anmelden musste, hätten die Kinder das Darlehen abgeschrieben. In dem Schreiben des Finanzamts stehe, zum Ende des Jahres 2011 seien bei der Firma LDG "Wertberichtigungen auf Forderungen in Höhe von 68.063.938 Euro gegenüber Herrn Anton Schlecker geltend gemacht" worden. Die Wertberichtigungen seien jedoch "nicht anerkannt und als verdeckte Gewinnausschüttung … bei der Firma LDG mbH hinzugerechnet" worden.  

Auf eine solche Gewinnausschüttung sei Kapitalertragsteuer fällig, die Meike und Lars Schlecker hätten zahlen müssen. Die Angabe der Kapitalerträge "erfolgte bisher nicht", zitiert der Spiegel aus dem Schreiben des Finanzamtes. Eine Steuernachzahlung von mehr als 17 Millionen Euro sei fällig.

Prozessauftakt gegen Schlecker am Montag

Die Drogeriemarktkette Schlecker war vor fünf Jahren pleitegegangen, das Schicksal der Beschäftigten war lange Zeit ungewiss. Letztlich verloren etwa 25.000 Menschen ihre Arbeit.

Rund eine Milliarde Euro betrug die Forderung der Gläubiger. Doch die Tochter von Anton Schlecker sagte öffentlich: "Es ist nichts mehr da." An dieser Aussage hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Zweifel. Ab Montag müssen sich Anton Schlecker und seine Familie vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Erhebliche Vermögensteile seien vorher innerhalb der Familie zur Seite geschafft worden, so die Vermutung. Die Vorwürfe vor Gericht lauten auf vorsätzlichen Bankrott, falsche Versicherung an Eides statt, gemeinschaftliche Untreue in besonders schwerem Fall und Insolvenzverschleppung.