Schulte nutzt für Lokaso in Siegen auch städtische Partner, er ist Kooperationen mit der Industrie- und Handelskammer, dem Stadtmarketing, der Sparkasse und anderen eingegangen. Auch für die Logistik will er sich nicht auf den Service großer Paketdienste wie DHL oder Hermes stützen, sondern auf eigene Fahrer. Das erhöht zwar die Kosten, soll die Kunden aber stärker an die Marke binden. Kann das funktionieren?

Paula Böhme ist 21, sie hat bei billiton eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich absolviert und trägt jetzt die ungewöhnliche Berufsbezeichnung "Gute Fee von Lokaso". Sie kümmert sich um die Abwicklung der Bestellungen, disponiert die Fahrer, und wenn Kunden eine Frage haben, können sie sich direkt an sie wenden. Manchmal steigt Böhme auch ins Auto und fährt selbst Lieferungen aus – so wie heute.

Wir sind auf dem Weg zu einem Neukunden, der zwei Lose für eine Tombola bei einem Stadtfest bestellt hat, für zehn Euro insgesamt. Böhme lenkt den Wagen ein Stück über die Autobahn, dann über Landstraßen und durch kleine Dörfer. "Strecken von zehn Kilometern und mehr sind durchaus üblich", sagt sie. Und das rechnet sich? Ja, das komme hin. Lokaso beschäftigt bisher eine fest angestellte Fahrerin und mehrere Springerkräfte. Das Gehalt: 10,50 Euro die Stunde. Zusammen mit Tankgeld und Leasinggebühren für die Autos mache dies den größten Posten im Kostenmodell aus.

Der Wagen rollt über Zickzackstraßen in ein kleines Dorf, Böhme parkt vor einem Landgasthof. "Meine Frau wollte das mal ausprobieren", sagt Udo Schwarz, der Betreiber des kleinen Hotels, der die bestellten Lose entgegennimmt. Er scheint überrascht zu sein, dass der Lieferdienst tatsächlich funktioniert. Vielleicht will er bald auch Biomilch bestellen.