"Abgekartetes Spiel" – mit diesen Worten hat Ryanair-Chef Michael O'Leary eine Pressekonferenz in Berlin begonnen, in der er sich über die mögliche Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch Ryanair geäußert hat. Dabei beschwerte er sich unter anderem über den Zeitpunkt, zu dem Air Berlin Insolvenz angemeldet hatte. Jede Airline habe im August genug Geld zur Verfügung, sagte O'Leary. Einziger Grund, warum man das Verfahren jetzt eingeleitet habe, sei, dass man Air Berlin der Lufthansa "auf dem Silbertablett" servieren wolle. O'Leary sprach von einem inszenierten Verfahren und verwies noch einmal darauf, dass Ryanair bereits eine Kartellbeschwerde eingereicht habe. Ryanair habe das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbsbehörde aufgefordert, diese "künstlich erzeugte Insolvenz" zu untersuchen.

O'Leary sagte, wäre es ein transparentes Verfahren, würde Ryanair ein Angebot abgeben. "Wir mischen uns nicht in dieses Verfahren ein", sagte der Ryanair-Chef. Bis zum 15. September will Air Berlin Angebote von Investoren einsammeln. Aus dem Umfeld des Konzern hieß es: "Ryanair gehört nicht zum Kreis der Interessenten für Air Berlin. Die haben sich auch noch nicht gemeldet." O'Leary sagte, er habe keinen Kontakt zu Air Berlin, dem Sachwalter oder der Bundesregierung.

Stattdessen schimpfte O'Leary auf deutsche Politiker, das Insolvenzverfahren und den Konkurrenten Lufthansa. Die Folgen einer Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa würden die Passagiere zu spüren bekommen, sagte er: "Ihr werdet alle viel teurere Flüge bezahlen müssen." Damit werde ein Monopol geschaffen, das die Preise über viele Jahre hochtreiben werde.

Lufthansa und deutsche Politiker wollten die Übernahme vor der Wahl im September über die Bühne bringen, sei seine Vermutung, sagte O'Leary. Die deutschen Politiker würden sich "gegenseitig auf die Füße treten, um Air Berlin der Lufthansa anzupreisen". Damit würde kein "deutscher Champion" geschaffen – wie es deutsche Politiker in Berlin derzeit häufig sagen würden – sondern ein "Monster", sagte O'Leary.

Insbesondere griff O'Leary auch Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller an. Dieser hatte sich im Tagesspiegel diese Woche gegen eine Übernahme durch Ryanair ausgesprochen. "Ryanair ist ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch", hatte Müller gesagt.

Gegen diesen Eindruck Müllers wehrte sich O'Leary vehement: Ryanair sei profitabel und "quetsche keineswegs seine Mitarbeiter aus", sagte O'Leary. "Wir bezahlen gut, wir haben keine Streiks wie die Lufthansa. Wir sind vielleicht die zuverlässigste Airline in Europa." Ryanair wachse und werde in den kommenden Jahren noch Millionen mehr Passagiere befördern. Die Fluggesellschaft beschäftige 13.000 Menschen, davon viele in Deutschland, sagte O'Leary. Die Lufthansa indes habe durch Streiks in den vergangenen Jahren viele Flüge streichen müssen. Die deutsche Fluggesellschaft sei keineswegs so zuverlässig, wie es deutsche Politiker behaupten würden, sagte der Ryanair-Chef.