Volkswagen hat laut einem Bericht des Spiegel vor den eigenen Aktionären zunächst die Bundesregierung über das Ausmaß des Dieselskandals informiert. Demnach wiesen VW-Techniker erstmals am 20. September 2015 bei einer Krisensitzung in Wolfsburg auf das weltweite Ausmaß der Abgasmanipulationen mit elf Millionen betroffenen Fahrzeugen hin. US-Behörden hatten kurz zuvor zunächst über 482.000 manipulierte Diesel-Fahrzeuge in den USA berichtet.

Bei der Krisensitzung sei auch über eine mögliche Pflichtmitteilung an die Börse diskutiert worden, berichtet der Spiegel weiter. Im Anschluss wollte Konzernchef Martin Winterkorn demnach zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Dimension der Affäre informieren, erreichte aber nur Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Aktionäre informierte VW erst am 22. September.

Dem Spiegel teilte der VW-Konzern mit, man habe die Pflichten zur Veröffentlichung erfüllt. "Bis zum späten Abend des 21. September 2015 lagen die Grundlagen möglicher Berechnungen jedoch noch belastbar nicht vor", heißt es demnach in einem Schreiben beauftragter VW-Anwälte.

VW rechnet mit kräftigem Gewinn

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW wegen des Verdachts der Marktmanipulation im VW-Dieselskandal. Dem Spiegel teilte die Behörde mit, zum Ermittlungsstand und zu einzelnen Beschuldigten könne sie nichts sagen. "Wir gehen aber davon aus, dass wir im nächsten Jahr mit unseren Ermittlungen deutlich weiterkommen werden."

Trotz hoher Kosten wegen des Dieselskandals rechnet VW mit seinen zwölf Marken mit einem kräftigen Gewinn im Gesamtjahr. In den ersten neun Monaten 2017 steigerte der Konzern seinen Gewinn um mehr als 30 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro, wie VW mitteilte. Das Zwischenergebnis zum September sei "sehr beeindruckend", sagte Konzernchef Matthias Müller. VW sei "dankbar" für das weltweite Vertrauen der Kunden in die Marken des Konzerns.

Im dritten Quartal halbierte sich der Gewinn laut Konzernmitteilung jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,14 Milliarden Euro. Grund sind die bereits Ende September bekannt gemachten Mehrkosten für die Folgen des Dieselskandals in den USA. Sie betragen 2,6 Milliarden Euro, wie VW nun mitteilte. Das Geld fließt in Rückkäufe und Nachrüstungen.

Ermittlungen wegen Kartellverdachts

Der Autobauer hatte im September 2015 Manipulationen der Emissionswerte bei weltweit elf Millionen Dieselautos zugegeben. Die von Volkswagen ausgehandelten Entschädigungen und Strafzahlungen belaufen sich damit mittlerweile auf insgesamt rund 25 Milliarden Euro. 17,5 Milliarden Euro davon sind laut Finanzchef Frank Witter schon geflossen.

Bei der EU-Kommission läuft derzeit außerdem eine Voruntersuchung im Fall eines Kartellverdachts. BMW sowie Daimler und VW samt den Töchtern Audi und Porsche sollen sich jahrelang in geheimen Zirkeln über ihre Autos und Zulieferer ausgetauscht haben. Solche Absprachen sind üblich, um etwa Standards für die Ladung von Elektroautos abzusprechen. Die Frage ist aber, ob in diesem Fall Grenzen überschritten wurden.

Der Konzern sowie die betreffenden Marken kooperierten bereits seit Längerem "vollumfänglich" mit der EU-Kommission, teilte VW am Freitag in seinem Zwischenbericht zum dritten Quartal mit. Die Behörde habe Unterlagen in Wolfsburg und von Audi in Ingolstadt gesichtet. Nach Angaben von VW-Konzernchef Matthias Müller ging es bei den Gesprächen deutscher Autobauer nicht um Preise. Man respektiere das Kartellrecht. "Von Preisabsprachen beispielsweise, die ein Kartellvergehen darstellen würden, ist mir nichts bekannt", sagte er.