Bis zu 4.000 Mitarbeitern der insolventen Fluglinie Air Berlin droht die Kündigung. Gespräche zu einer Übergangslösung mittels einer großen Transfergesellschaft für alle Beschäftigten sind nach Angaben des Landes Berlin gescheitert. Die Gesellschaft sollte die Air-Berlin-Beschäftigten zunächst vor der Arbeitslosigkeit bewahren und den Übergang in neue Jobs erleichtern. Dafür wären bis zu 50 Millionen Euro benötigt worden, Air Berlin wollte selbst zehn Millionen Euro einzahlen.

Die drei beteiligten Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin sowie die Bundesregierung hätten sich nicht auf eine solche Lösung verständigen können, erklärte die Berliner Landesregierung nach erneuten Beratungen. Auch die Lufthansa hatte es abgelehnt, sich an diesen finanziellen Hilfen zu beteiligen. "Es ist Zeit, dass sich jetzt auch andere an der Sicherung von Arbeitsplätzen beteiligen", schrieb der neue Eurowings-Chef Thorsten Dirks bei Twitter.

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte, er sei jedoch optimistisch, dass statt einer großen Transfergesellschaft eine kleinere Variante gelingen könnte, für die Berlin rund zehn Millionen Euro beisteuern könnte. Air Berlin müsse sich nun mit Belegschaftsvertretern auf einen Sozialplan einigen, so Kollatz-Ahnen. Ein solcher Sozialplan ist die Voraussetzung für eine Transfergesellschaft. Davon könnten dann rund 1.000 Beschäftigte profitieren, vor allem vom Bodenpersonal.

Einstweilige Verfügung gegen Air Berlin

Die Personalvertretung der Flugbegleiter von Air Berlin will indes auf dem Rechtsweg Massenentlassungen im Unternehmen verhindern. Mit diesem Ziel hat sie beim Arbeitsgericht Berlin einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Darin werde gefordert, Kündigungen zu verbieten, weil es mit dem Arbeitgeber keine Verhandlungen über einen Sozialplan gegeben habe. Das Gericht wird nach eigenen Angaben am 2. November darüber beraten und aller Voraussicht nach auch am selben Tag entscheiden. In dem Antrag verlange die Personalvertretung auch, dass ihr sämtliche Gebote im Bieterverfahren für Air Berlin vorgelegt werden. Außerdem fordere sie, dass Air Berlin nicht wie angekündigt am Freitag den Flugbetrieb einstellt.

Die insolvente Air Berlin wird derweil weiter zerschlagen: Für die Tochtergesellschaft Leisure Cargo, die Frachtraum in Passagiermaschinen anbietet, ist ein Käufer gefunden. Die Berliner Zeitfracht-Gruppe übernimmt das Düsseldorfer Unternehmen mit ihren 60 Mitarbeitern, wie Air Berlin mitteilte. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Aufkauf zu. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sprach von einem "kleinen, aber wichtigen Schritt im Insolvenzverfahren".

Noch keine Entscheidung gibt es über die Zukunft der Technik-Tochter, an der Zeitfracht ebenfalls interessiert ist. Auch die Verhandlungen mit dem Billigflieger Easyjet um die Übernahme von rund 25 Maschinen dauern seit Wochen an, bisher ohne Ergebnis. Klar scheint daher nur, dass große Teile von Air Berlin an die Lufthansa gehen werden. 

Air Berlin – die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.