Die Lufthansa und Air Berlin stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Verhandlungen. Nach Angaben von Lufthansa-Chef Carsten Spohr wollen beide Flugzeugunternehmen am Donnerstagmittag einen Kaufvertrag für große Teile von Air Berlin unterzeichnen. "In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Spohr.

Dem Lufthansa-Chef zufolge will die größte deutsche Airline 81 Flugzeuge des insolventen Konkurrenten übernehmen und bei ihrem Tochterunternehmen Eurowings 3.000 neue Mitarbeiter einstellen – wofür sich auch bisherige Angestellte von Air Berlin bewerben können. Spohr sprach von einem "Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin".

Air Berlin – die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August Konkurs angemeldet. Der Flugbetrieb war seitdem nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert worden. Ab dem 28. Oktober dann wird Air Berlin keine Flüge mehr unter eigenem Code anbieten, sondern nur noch als Dienstleister für die Käufer agieren, bis die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf geprüft haben. Bereits an diesem Sonntag werden die letzten Langstreckenflüge der insolventen Airline eingestellt. 

Tickets sollen nicht teurer werden

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Rheinischen Post. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da, wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu." 

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe.   

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger EasyJet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Anders als mit der Lufthansa hat sich Air Berlin nach eigenen Angaben mit der britischen Fluggesellschaft noch nicht über einen Verkauf geeinigt. "Wir verhandeln heute mit Easyjet weiter", sagte ein Sprecher. Nach früheren Aussagen der Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor an den Tisch holen, war noch offen.