Volkswagen ist mit dem Versuch gescheitert, eine unabhängige Sonderprüfung im Abgasskandal zu verhindern. Wie ein Sprecher des Oberlandesgerichts Celle (OLG) bestätigte, hat das Gericht einen entsprechenden Antrag des Autokonzerns zurückgewiesen. Damit bleibt es bei der OLG-Entscheidung von Anfang November, dass die Abläufe rund um den Einsatz manipulierter Software in Dieselfahrzeugen unabhängig geprüft werden müssen.

Die Sonderprüfung war von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beantragt worden. Die Aktionärsvertreter erhoffen sich Antworten zu den Fragen, ob Vorstand und Aufsichtsrat bei VW in Verbindung mit den Software-Manipulationen rechtliche Pflichten verletzt und wann sie von den Vorgängen erfahren haben.

Das Gericht wies zudem den VW-Antrag auf Zulassung einer Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) zurück. VW hatte argumentiert, dass zunächst Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung geklärt werden müssten.

Auch das Oberlandesgericht Celle selbst hatte in der Vergangenheit eine Sonderprüfung für VW angeordnet. Diese galt aber den Vorgängen im Jahr 2015, also der Frage, wann der damalige Konzernchef Martin Winterkorn von den Manipulationen erfahren hatte und ob Aktionäre rechtzeitig informiert worden waren.

VW sieht sich "wieder in der Offensive"

Das Unternehmen verzeichnet unterdessen nach eigener Aussage wieder Erfolge. "Volkswagen ist auf allen seinen Kernmärkten wieder in der Offensive", sagte Markenvertriebschef Jürgen Stackmann auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg. Auch die Umrüstung der von der Manipulation betroffenen Dieselfahrzeuge sei auf einem guten Weg: In Deutschland seien 91 Prozent umgerüstet, in Europa 73 Prozent. "Die Quote der Kunden, die nicht einverstanden sind mit dem Update, die liegt unter einem Prozent", sagte Markenchef Herbert Diess. Die Umweltprämie, die Volkswagen zum Umtausch alter Dieselfahrzeuge gegen neuere Autos anbietet, trage zum Erfolg bei, sagte Stackmann. Bisher haben dem Konzern zufolge rund 50.000 Kunden Gebrauch davon gemacht. Ende des Jahres läuft der Rabatt in der derzeitigen Form allerdings aus.

Volkswagen hatte im September 2015 Manipulationen der Emissionswerte bei weltweit elf Millionen Dieselautos zugegeben. Die von Volkswagen ausgehandelten Entschädigungen und Strafzahlungen belaufen sich inzwischen auf insgesamt etwa 25 Milliarden Euro; 17,5 Milliarden Euro davon sind laut Finanzchef Frank Witter schon geflossen. Der Aktienkurs von VW war im Anschluss an das Bekanntwerden des Abgasskandals abgestürzt; die Vorzugspapiere des Konzerns hatten zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Viele Anleger wollen sich ihre Verluste erstatten lassen. Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft in Braunschweig gegen zahlreiche Beschuldigte.