Der Erotikhändler Beate Uhse will Insolvenz beantragen. "Der Vorstand hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen", teilte das Unternehmen mit. Die Insolvenzanmeldung betreffe ausschließlich die Beate Uhse AG in ihrer Funktion als Holding, für die Tochtergesellschaften der Beate Uhse AG werde keine Insolvenz beantragt. "Damit halten die operativen Gesellschaften in Deutschland und den Niederlanden ihren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt aufrecht und die Handlungsfähigkeit wird gesichert", heißt es in der Mitteilung der AG.

Zuletzt waren Bemühungen gescheitert, eine Umschuldung im Zusammenhang mit einer Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro zu erreichen. Dabei habe keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden können. Und weil die Zahlungsunfähigkeit der Beate Uhse AG drohte, musste der Konzern den Insolvenzantrag stellen. Vorstand Michael Specht zeigte sich zuversichtlich, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können. Die Anleihe hätte im Sommer 2019 zurückgezahlt werden müssen und ist mit 7,75 Prozent hoch verzinst.

Dass Beate Uhse in größeren Schwierigkeiten steckt, war schon länger bekannt. Der Erotikhändler hatte zum wiederholten Mal die Vorlage des Jahresberichts für 2016 verschieben müssen und Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten korrigiert. Die Bilanz sollte eigentlich an diesem Freitag vorgelegt werden – stattdessen folgte jetzt der Insolvenzantrag. 

Die Konkurrenz aus dem Netz ist stark

In den letzten Jahren litt der 1946 gegründete Konzern wie viele andere Firmen in der Erotikbranche vor allem unter der Konkurrenz aus dem Netz. Seit Jahren sind die Umsätze rückläufig. Versuche, die Läden und Shops für eine jüngere und weiblichere Zielgruppe attraktiver zu machen, brachten nicht die erhofften Zuwächse. Und so musste der Erotikhändler immer mehr Filialen schließen – bundesweit gibt es nur noch 43 Läden. Auch ein verstärkter Ausbau des Onlineangebots konnte den Rückgang nicht kompensieren. So ist auch die Zahl der Beschäftigten ist gesunken. Heute sind noch 345 Mitarbeiter in sieben Ländern für Beate Uhse tätig.

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende Michael Specht war erst im April auf diesen Posten berufen worden. Er hatte im Juni seinen Finanzchef ausgetauscht und mit einer Unternehmensberatung den Finanzbereich und das Rechnungswesen gründlich überprüft.

Die Finanzaufsicht Bafin hat dem Unternehmen bereits Zwangsgelder in Höhe von 22.000 Euro angedroht, weil die Beate Uhse AG Hinweispflichten einer Aktiengesellschaft nach dem Wertpapierhandelsgesetz verletzt hatte. Seit Mai 1999 wird die Beate-Uhse-Aktie an der Frankfurter Börse gelistet.