Die Krankenhauskette Paracelsus hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen sei "in finanzieller Schieflage", teilte die Geschäftsleitung mit. In den Kassen fehle ein zweistelliger Millionenbetrag. Das Insolvenzverfahren sei am Donnerstag am Amtsgericht Osnabrück eröffnet worden. Der Klinikbetrieb laufe aber weiter, die Gehälter werden vorerst von der Arbeitsagentur als Insolvenzgeld gezahlt.

Insgesamt sind nach Angaben der Unternehmensleitung etwa 5.200 Mitarbeiter in 40 Einrichtungen an 23 Standorten betroffen. Sieben der Standorte machen demnach Verluste. Das Unternehmen soll aber nicht abgewickelt, sondern saniert werden. Dafür habe man von einem speziellen Paragrafen des Insolvenzrechts Gebrauch gemacht, der es Unternehmen erlaubt, sich in Eigenregie neu aufzustellen. Zwei Generalbevollmächtigte seien eingesetzt worden, in den nächsten Monaten solle an dem Sanierungsplan gearbeitet werden. Das Unternehmen habe gute Chancen, umfangreiche Entlassungen seien nicht zu erwarten, sagte Sven Bergelin von der Gewerkschaft ver.di.

Auch der Gesamtbetriebsrat der Kliniken unterstützt das Insolvenzverfahren "in vollem Umfang". Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund kritisierte, es sei unverantwortlich die Angestellten kurz vor Weihnachten in eine "emotionale Ausnahmesituation zu versetzen". Ver.di warf den Kliniken Managementfehler und Strukturprobleme vor.  So gebe es zu viele Fachabteilungen in den Kliniken und Investitionen seien versäumt worden.

Im Herbst hat die Geschäftsleitung die Belegschaft der Kliniken aufgefordert, auf das Weihnachtsgeld zu verzichten. Die Tarifkommission von ver.di lehnte das ab. Die Belegschaft habe in vorhergehenden Jahren bereits verzichtet und notwendige Investitionen seien trotzdem unterblieben. Dass das Weihnachtsgeld trotzdem nicht pünktlich ausgezahlt werden kann, hat die Geschäftsleitung nach Angaben der Neue Osnabrücker Zeitung allerdings schon vergangene Woche mitgeteilt.