Dieser kleine Satz bringt viele Kunden zurzeit in Rage: "Wir konnten Sie leider nicht antreffen", steht auf den Paketkarten, die im Briefkasten stecken. Sie sind wütend, weil sie doch zu Hause gewesen seien – aber niemand geklingelt habe. "Danke für nichts", schreiben genervte Kunde im Netz. Oder: "Schlechtester Kundenservice der Welt". Die Twittergemeinde widmet dem Lieferanten DHL inzwischen gar das eigene hashtag #dhlfail. Treffen die Kunden die Zusteller dann an, lassen sie ihren Frust zunehmend an ihnen aus. "Unsere Mitarbeiter werden angefeindet, zum Teil massiv", sagte Hermes-Chef Frank Rausch der ZEIT

Dabei können gerade die Fahrer kaum etwas für das Paketchaos rund um die Weihnachtszeit. Es ist für die deutschen Paket- und Lieferdienste die intensivste Zeit des Jahres. Knapp 15 Millionen Pakete liefern sie zwischen Anfang November und Ende Dezember aus – pro Tag. Das sind zwischen 20 und 50 Prozent mehr als üblich, an Spitzentagen sogar 100 bis 150 Prozent. Allein seit Anfang des Jahrtausends haben sich laut Bundesverband Paket & Express Logistik die Sendungen per Post oder Kurier in Deutschland verdoppelt. Mehr als drei Milliarden Sendungen hätten die Lieferdienste ausgeliefert, bis 2021 rechne man mit einem Anstieg um eine weitere Milliarde. Die Ursache für den Paketwahnsinn ist, natürlich, der Onlinehandel. Einfach, bequem, unkompliziert: So lautet seit Jahren das Versprechen. Insbesondere Amazon hat die Deutschen zu wahren Bestellfans erzogen. 70 Prozent der Bevölkerung wollen einer Studie des Händlerbunds zufolge die Weihnachtsgeschenke dieses Jahr im Internet bestellen – und natürlich nach Hause liefern lassen. 

Tausende neue Jobs für das Weihnachtsgeschäft

Um das zu bewältigen, stellen die Paketdienste ein: Bis zu 25.000 neue Zusteller sind laut Verband allein für die Weihnachtszeit geplant. 10.000 weitere Mitarbeiter kommen jedes Jahr als Festangestellte hinzu. Doch den Kampf gegen die Päckchen kann die Branche nicht gewinnen. "Die Paketbranche erlebt derzeit einen Nachwuchskräftemangel. Der Zusteller ist zu einer begrenzenden Ressource geworden", sagt Hermes-Chef Rausch. Die Bundesagentur für Arbeit berichtet, die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen mit Vermittlungsauftrag ist im Paketgeschäft im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen.

Unabhängig davon suchen die Liefer- und Paketdienste auch fernab der Bundesagentur Aushilfskräfte für die Weihnachtszeit. Man schalte Radiowerbung und werbe auch in den Jobcentern der Bundesagentur für Arbeit, heißt es von den Unternehmen. "Wer einen guten Job macht, den behalten wir gern. Schließlich wächst der Markt, und somit haben wir weiterhin Personalbedarf", sagt eine DHL-Sprecherin. Doch woher die Leute nehmen? Immerhin herrscht in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie lange nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Arbeit als Paketbote anstrengend und nervenaufreibend ist. Schwere Pakete von bis zu 31,5 Kilogramm sind an der Tagesordnung, Lieferungen bis in den fünften oder sechsten Stock keine Seltenheit. Es ist ein Knochenjob. 

Die Gewinnmargen sinken

Gleichzeitig wird das Geschäft jedes Jahr härter, der Konkurrenzdruck steigt, und die Margen sinken. Waren es 2007 noch 6,22 Euro, die ein Zusteller an einem ausgelieferten Paket verdiente, waren es im vergangenen Jahr nur noch 5,85 Euro. Bei drei Milliarden Sendungen jährlich machen sich 40 Cent pro Sendung durchaus bemerkbar. Der hohe Wettbewerbsdruck erschwere es den Herstellern, vernünftige Löhne zu zahlen und vorbildliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, klagt die Branche. DHL zahlt eigenen Angaben zufolge den Briefzustellern zwölf Euro pro Stunde und zwischen zehn und 18 Euro den Paketzustellern, abhängig von der Region. Das ist nicht selbstverständlich. Immer wieder gibt es Klagen von Boten, die lediglich in Subunternehmen angestellt sind und deren Gehalt nur knapp über dem Mindestlohn liegt. 

Mathematik - Die Last des Paketboten Was ist einfach, was ist kompliziert? Darum geht es in der P-NP-Frage, die Mathematiker seit Jahrzehnten quält. Unser Datenanalyst erklärt es Ihnen.