Das Scheitern des Verkaufs der Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa kostet den Bund womöglich Millionen. "Durch den unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki-Verkauf kann der vom Bund verbürgte Kredit der KfW an Air Berlin möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden", teilte die Bundesregierung mit. Es geht um ein Darlehen von 150 Millionen Euro. Der Bund werde alles tun, um den Schaden für den Steuerzahler in Grenzen zu halten.

Die Bundesregierung rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die österreichische Unternehmenstochter der insolventen Air Berlin, Niki, den Betrieb einstellen wird. "Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zuvor war der Verkauf gescheitert, weil Lufthansa ihr Angebot zurückgezogen hatte. Grund sei gewesen, dass Lufthansa nicht mehr erwartet hatte, dass die EU-Kommission der Übernahme zustimmen werde, hieß es von Air Berlin.

Mit der Rücknahme macht Lufthansa nach eigenen Angaben der EU-Kommission weitere Zugeständnisse, um andere Teile von Air Berlin übernehmen zu können. Die EU-Kommission sieht die Übernahme aus wettbewerbsrechtlichen Gründen kritisch und wollte sich bis zum 21. Dezember entscheiden. Die EU-Wettbewerbshüter hatten Air Berlin aufgefordert, nach alternativen Bietern zu suchen. Das war jedoch nicht erfolgreich. 

Air Berlin prüft nach eigenen Angaben derzeit noch Verwertungsalternativen für die Niki Luftfahrtgesellschaft GmbH. Laut dem Gläubigerausschuss kommt hingegen für die Rettung von Niki nur Lufthansa in Frage. Niki ist bereits seit Monaten von der Lufthansa abhängig, der Konzern hat die Air-Berlin-Tochter bisher mit einem zweistelligem Millionenbetrag unterstützt.  Eine Insolvenz würde bedeuten, "dass kurz vor Weihnachten 1.000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren, 10.000 Passagiere stranden und Hunderttausende Tickets ihre Gültigkeit verlieren", hieß es von den Gläubigern.

Österreichs Regierung stellte staatliche Hilfen in Aussicht, um gestrandete Fluggäste zurück zu holen. Sollten Niki-Fluggäste aus dem Ausland zurückgeholt werden müssen, werde die Regierung die Austrian Airlines damit beauftragen, berichtet die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf das Verkehrsministerium. Die nötigen Zahlungen werde die Regierung vorfinanzieren. Details müssten aber noch geklärt werden.

Lufthansa will weiterhin Air-Berlin-Tochter LG Walter kaufen

In den vergangenen Monaten hatten auch die Unternehmen Thomas Cook und der British-Airways-Mutterkonzern IAG Interesse an Niki gezeigt. An dem Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter solle hingegen festgehalten werden, teilte Lufthansa mit. Auch diesem Kauf muss die EU-Kommission jedoch zustimmen.

An dem Verkauf der Überreste von Air Berlin hängt auch der Kredit von 150 Millionen Euro, den die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaft im August gewährt hatte. Damit sollte Air Berlin den Flugbetrieb bis Ende November aufrecht erhalten. Der Kredit war umstritten. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte die Staatshilfe beispielsweise als indirekte illegale Hilfe für die Lufthansa kritisiert. Die EU-Kommission hatte den Kredit daraufhin gebilligt, allerdings unter Bedingungen: Der Kredit sollte nur in Tranchen ausbezahlt werden, außerdem müsse die Bundesregierung sicherstellen, dass der Kredit vollständig zurückgezahlt oder ein Abwicklungsplan vorgelegt werde.