Kehrtwende bei der irischen Billigairline Ryanair: Nachdem die italienische Pilotengewerkschaft Anpac mit Streik gedroht hatte, will die Fluglinie nun doch mit der Gewerkschaft verhandeln. Daraufhin hat Anpac den für Freitag geplanten Streik für Flugbegleiter und Piloten in Italien vorerst abgesagt. Der Personalchef der irischen Fluglinie, Eddie Wilson, habe einen entsprechenden Brief gesendet, teilte die Gewerkschaft mit.

Das ist für Ryanair ein großer Schritt: Unternehmenschef Michael O'Leary hatte es stets abgelehnt, Gewerkschaften als Vertreter seiner Beschäftigten anzuerkennen. In der 30-jährigen Unternehmensgeschichte gab es bislang keinen einzigen Streik. Auch waren die Beschäftigten der Airline lange Zeit kaum organisiert. Das hatte sich jedoch zuletzt deutlich verändert: Im September musste Ryanair den Ausfall Tausender Flüge bis März bekanntgeben – offiziell hieß es, die Airline habe bei der Planung der Jahresurlaube der Piloten Fehler gemacht. Tatsächlich aber hatten unzählige das Unternehmen wegen schlechter Arbeitsbedingungen verlassen. 

Das hatten in mehreren Ländern Pilotengewerkschaften auf den Plan gerufen. Ryanair-Piloten in Italien hatten daraufhin für Freitag Streiks angekündigt, in Irland und in Portugal für den 20. Dezember. Auch in Deutschland hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, jedoch kein Datum genannt. 

Ryanair-Chef O'Leary teilte mit,  er wolle "jegliche Sorge" der Kunden ausräumen, es könne in der Weihnachtszeit zu Störungen durch Streiks kommen. Daher wolle man nun mit Pilotengewerkschaften in mehreren Ländern sprechen. Zuvor hatte Ryanair den Piloten zunächst mehr Geld angeboten und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen versprochen.

Auch Flugassistenten kämpfen für bessere Bedingungen

Darum geht es den Beschäftigten aber nicht nur. Sie wollen einen unternehmensweiten Tarifvertrag, der in allen Ländern gilt. Dafür muss die Airline zunächst die Gewerkschaften anerkennen und mit ihnen in Verhandlungen eintreten.

Eine Herausforderung auch für die Arbeitnehmervertreter: Jede Gewerkschaft muss dazu jeweils eine Ryanair-Tarifkommission bilden. Idealerweise stimmen sich die Tarifkommissionen der Gewerkschaften und Länder ab und verhandeln gemeinsam. Beteiligt sind dabei zudem nicht nur Pilotengewerkschaften. Involviert ist zum Beispiel auch die italienische Transportvereinigung Fit-Cisl. Sie organisiert den Streik der Flugassistenten und teilte am Freitag mit, noch keine Benachrichtigung von Ryanair bekommen zu haben. Deshalb finde der Streik der Flugassistenten am Freitag statt, sagte Generalsekretär Nico Piras laut Nachrichtenagentur Ansa. Die Verhandlungsbereitschaft Ryanairs betreffe bisher nur Piloten. Piras sagte: "Ich hoffe, dass Ryanair die Richtung ändert und sich allen Mitarbeitern zuwendet."