Dem Großraumflugzeug Airbus A380 droht das Aus. "Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es, glaube ich, keine andere Wahl, als das Programm zu beenden", sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy in einer Telefonkonferenz. Emirates sei derzeit wahrscheinlich die einzige Airline im Markt, die für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mindestens sechs Flugzeuge jährlich abnehmen könne. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir einen Deal mit Emirates aushandeln, und andere können dann noch Flugzeuge hinzufügen."

Der Vertrag mit Emirates über die Bestellung von 36 Stück des A380 war im November auf der Luftfahrtmesse in Dubai überraschend nicht unterzeichnet worden. Emirates fordert Garantien, dass der Airbus A380 noch mindestens für ein Jahrzehnt produziert wird.

Im vergangenen Jahr hatte der europäische Flugzeughersteller allerdings keinen einzigen Neuauftrag für einen A380 bekommen. Dagegen wurden sogar zwei Bestellungen storniert. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters könnte ohne den Emirates-Auftrag schon 2024 nach nur 17 Jahren Produktion der letzte A380 gebaut werden. Vorübergehend reagiert Airbus auf die schwache Nachfrage mit einer Drosselung der Produktion auf sechs Maschinen pro Jahr. Im vergangenen Jahr waren noch 15 Flugzeuge dieses Typs ausgeliefert worden.

Airbus bei Bestellungen erneut vor Boeing

Insgesamt lief das Jahr allerdings gut für den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern. 2017 verbuchte Airbus Aufträge für 1.109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als sein US-Konkurrent Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen auch 2017 der weltgrößte Flugzeughersteller. Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferte Maschinen ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es an die 800 Flugzeuge werden, sagte der Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Fabrice Brégier.

Noch im Herbst hatte die Airbus-Führung bezweifelt, die angepeilte Marke von gut 700 ausgelieferten Jets im Jahr 2017 zu schaffen. Grund waren vor allem technische Probleme beim Triebwerksbauer Pratt & Whitney, der Antriebe für den modernisierten Mittelstreckenjet A320neo beisteuert. Der zu United Technologies gehörende Hersteller musste technische Probleme an seinen neuen Antrieben lösen. Die Triebwerke sind maßgeblich für den geringeren Treibstoffverbrauch der A320neo verantwortlich, der das Flugzeug für Fluggesellschaften attraktiv macht.

Erneut machten die Mittelstreckenjets den Hauptanteil bei Aufträgen und Auslieferungen aus. Airbus bekam Bestellungen für 926 neos und 128 Jets aus der herkömmlichen A320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A330, A330neo und A350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein.