Der Bau des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 wird mehr kosten und länger dauern, als bisher angenommen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat den Kostenrahmen von bisher 6,5 Milliarden auf 8,2 Milliarden erhöht, wie das Unternehmen mitteilte. Darin enthalten ist ein Puffer von knapp 500 Millionen Euro, der bei "unvorhergesehenen Ereignissen" genutzt werden soll.

Die Bahn verschob außerdem den Eröffnungstermin des unterirdischen Durchgangsbahnhofs um vier Jahre nach hinten. Statt im Jahr 2021 soll der Bahnhof nun 2025 öffnen.     

Auch die mit Stuttgart 21 zusammenhängende Neubaustrecke Wendlingen-Ulm wird teurer. Die Bahn erhöhte die Kostenprognose auf 3,7 Milliarden von bisher 3,26 Milliarden Euro. Die Fertigstellung verschiebt sich um ein Jahr auf 2022.   

Der Aufsichtsrat der Bahn teilte mit, dass die aktualisierten Prognosen auf einem Gutachten der Gesellschaften PwC und Emch+Berger beruhten. Grund für die Neukalkulation seien unter anderem gestiegene Baupreise, Probleme mit dem Baugrund und der Wunsch des Vorstands, Finanzpuffer für mögliche weitere Risiken vorzuhalten. Trotz alledem sei es wirtschaftlicher, weiter an Stuttgart 21 zu bauen, als das Projekt abzubrechen.

Am Donnerstag hatten mehrere Medien über die Änderungen im Kosten- und Zeitplan berichtet. Eine offizielle Bestätigung der Berichte stand aber zunächst aus.

Unklar ist, wer das bezahlen soll

Die Bauherren planen, aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof einen Durchgangsbahnhof mit Bahnsteigen unter der Oberfläche zu machen. Daran wird seit 2010 gebaut. In dem Jahr hatten in Stuttgart Zehntausende Menschen gegen das Projekt demonstriert und vor unvorhersehbaren Kostenexplosionen gewarnt. Gebaut wurde trotzdem, auch weil sich ein Jahr später eine Mehrheit bei einem landesweiten Referendum dafür aussprach. Trotzdem bleibt das Projekt umstritten. Viele Gegner sehen sich mit ihrer Kritik nun bestätigt.

Ursprünglich sollten der Bahnhof und seine Anschlussstrecken 4,5 Milliarden Euro kosten. Ähnlich wie bei Großprojekten in anderen Städten wie dem Berliner Flughafen BER oder der Hamburger Elbphilharmonie stiegen die Kosten von Stuttgart 21 seit Baubeginn. So erweiterte die Bahn den Finanzrahmen im Jahr 2013 auf 6,5 Milliarden Euro; im November vergangenen Jahres meldeten Medien eine weitere Kostensteigerung – diesmal auf 7,6 Milliarden Euro.

Noch ist unklar, wer die Mehrausgaben bezahlen soll. Vor etwa neun Jahren hatten die Bahn, der Bund, die EU, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und der örtliche Flughafen vereinbart, die Kosten aufzuteilen. Doch damals gingen sie noch von 4,5 Milliarden Euro aus. Eine Einigung, wer für die seitdem hinzugekommenen Milliarden aufkommt, gibt es bisher nicht.

Der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel kritisierte, die Kosten von Stuttgart 21 "schreiten inzwischen schneller voran als der Bau". Nötig sei endlich ein strenges Kostenmanagement.

Die Bahnexpertin der Linken-Fraktion im Bundestag, Sabine Leidig, nannte das Bauprojekt "gänzlich unwirtschaftlich". Aufsichtsräte, die auf dieser Basis das Projekt einfach fortführten, stünden mit einem Bein im Gefängnis, weil sie verpflichtet seien, wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden. "Der Eigentümer Bund muss die Notbremse ziehen."