Das Bahnprojekt Stuttgart 21 könnte eine halbe Milliarde Euro mehr kosten als bisher angenommen. Außerdem werde der unterirdische Kopfbahnhof möglicherweise erst 2025 statt wie bisher geplant 2024 fertig, berichteten übereinstimmend der Spiegel und die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Konzern-Kreise. Demnach schlug Infrastrukturchef Ronald Pofalla dem Aufsichtsrat vor, den Risikopuffer bei dem Projekt um 500 Millionen Euro zu erhöhen und den Eröffnungstermin um ein Jahr auf 2025 zu verschieben.

Der Finanzierungsrahmen läge damit bei 8,2 Milliarden Euro statt wie bisher angenommen bei 7,7 Milliarden Euro. Pofalla habe den Vorschlag am Montag vorgetragen, um ein realistisches Bild der Lage zu zeigen, schreibt der Spiegel.

Erst im November war bekannt geworden, dass die Kosten für den unterirdischen Durchgangsbahnhof und Anschlussstrecken um 1,2 Milliarden Euro auf 7,6 Milliarden Euro steigen. Schon damals war die Rede davon, die Eröffnung zu verschieben – zunächst auf 2024 – und weitere 300 Millionen Euro als Risikopuffer einzuplanen. Zu den Kostentreibern bei dem Projekt zählen gestiegene Baupreise und Probleme mit dem Baugrund.

Aufsichtsrat informiert sich über persönliche Haftbarkeit

Die Tunnel für den Bahnhof müssen durch das für Bauarbeiten problematische Anhydrit getrieben werden. Das Mineral reagiert mit Wasser und verwandelt sich in Gips. In der Folge dehnt sich der Boden stark aus – wie Hefe bei Wärme. Die Folgen für die Tunnelröhren sind im Voraus schwer zu berechnen. Laut Spiegel hörte der Aufsichtsrat der Bahn am Montag einen Wissenschaftler, der in Europa als Koryphäe für diese Gesteinsart gelte.

Außerdem hätte sich das Kontrollgremium auch mit möglichen persönlichen Konsequenzen für die Kostensteigerung bei dem Projekt auseinandergesetzt. So sollen Juristen die Aufsichtsratsmitglieder darüber aufgeklärt haben, ob man sie persönlich haftbar machen könnte, wenn es am Ende noch einmal teurer werden sollte. Gegner von Stuttgart 21 haben unter anderem gegen den Vorstand der Bahn geklagt.

Auf einer Sitzung am Freitag soll der Aufsichtsrat laut dem Bericht entscheiden, wie hoch er die Kalkulation der Kosten ansetzt – und wer die möglichen Mehrkosten übernimmt.