Die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin könnte den deutschen Staat etwa 200 Millionen Euro kosten. Unter anderem die Bundesregierung und die Bundesagentur für Arbeit müssten mit Ausfällen rechnen, berichten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR unter Berufung auf einen aktuellen Insolvenzbericht. Das 112-seitige Papier vom 15. Januar beschreibe unter anderem die Gründe für die Insolvenz der Airline.

Insgesamt beliefen sich die Schulden der Airline auf bis zu 4,4 Milliarden Euro, der größte Teil der Gläubiger seien Lieferanten, Dienstleister, Vermieter, Leasingpartner und konzerneigene Gesellschaften, berichten SZ, NDR und WDR. Namentlich seien Eurowings und die Commerzbank in dem Bericht genannt. Die Chancen auf eine Tilgung ist indes, nach Informationen des Rechercheverbundes, gering. Der Status der Schulden bei Fiskus, Arbeitsverwaltung und Bundesregierung wird in dem Bericht als "ungesichert" bezeichnet.

Die Arbeitsagentur hatte die Löhne der Air-Berlin-Beschäftigten als "Insolvenzgeld" ausgelegt, die Bundesregierung einen Überbrückungskredit von 150 Millionen gestattet. Von diesem Darlehen, das die Kreditanstalt für Wiederaufbau auszahlte, werde die Airline nur etwa die Hälfte zurückzahlen, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. "Das ist eine vorsichtige Prognose." Bisher wurden 61 Millionen Euro zurückgezahlt. Der Rückzahlung an die KfW hat Vorrang vor anderen Gläubigern.

Neben den Gläubigern muss Air Berlin etwa 100.000 Fluggästen das Geld für gebuchte Tickets zurückerstatten. Noch bis zum 1. Februar können Forderungen angemeldet werden. Eine Chance auf Rückzahlung habe aber nur, wer sein Ticket nach dem 15. August – dem Tag der Insolvenz – gebucht habe.

Die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki geht nach dem Willen des österreichischen Gläubigerausschusses in die Hände von Airline-Gründer Niki Lauda. Das hatte der Insolvenzverwalter am Dienstag mitgeteilt. Der Ausschuss habe einstimmig beschlossen, Lauda den Zuschlag zu geben. Lauda hatte Niki 2003 gegründet, war aber 2011 ausgestiegen.