Siemens-Chef Joe Kaeser hat den geplanten Stellenabbau in der Kraftwerksparte als unvermeidlich bezeichnet. Wegen zurückgehender Umsätze und eines Ergebniseinbruchs im ersten Geschäftsquartal sei der Handlungsbedarf "sogar dringlicher geworden", sagte Kaeser vor Beginn der Hauptversammlung in München. 

Das Ergebnis aus dem industriellen Geschäft sei im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2017/18 um 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesunken, teilte der Konzern mit. Unter dem Strich stand allerdings ein um zwölf Prozent höherer Gewinn von 2,2 Milliarden Euro. Er wurde durch den 655 Millionen Euro teuren Verkauf der restlichen Aktien an der ehemaligen Lichttechnik-Tochter Osram und erste positive Effekte der US-Steuerreform begünstigt. Der Umsatz nahm um drei Prozent auf 19,8 Milliarden und der Auftragseingang um 14 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro zu. Zu dem Wachstum trug allerdings vor allem der Zusammenschluss mit dem spanischen Windkraft-Anbieter Siemens Gamesa bei.

"Siemens ist also insgesamt in einer sehr guten und robusten Verfassung", sagte Kaeser. In der unprofitabel gewordenen Kraftwerkssparte will der Konzern dennoch Tausende Jobs streichen und Werke schließen, darunter das im sächsischen Görlitz. Kaeser brachte am Rande des Aktionärstreffens allerdings eine mögliche Lösung für den Standort ins Spiel.

Der Konzern erwäge ein "Industriekonzept Oberlausitz", sagte Kaeser. Vorstellbar sei etwa, dass das Werk eigenständiger werde, dabei aber zunächst unter dem Dach von Siemens verbleibe. In einigen Jahren könnte der Standort dann in einem Industrieverbund aufgehen. Nötig wäre dann wohl, bei den Produkten umzusteuern, etwa hin zu Speichertechnologien.

Positive Effekte durch US-Steuerreform

Um solche Erwägungen umzusetzen, bedürfe es aber der Mitwirkung der Bundes- und Landesregierung sowie anderer Beteiligter, sagte Kaeser. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hatte der Konzernchef im Gespräch mit US-Präsident Donald Trump angekündigt, die nächste Generation von Gasturbinen in den USA zu produzieren. Sein Auftritt war unter anderem als "Huldigung" von Trump kritisiert worden.

Die von Trump durchgesetzte US-Steuerreform ist für das Unternehmen laut Siemens positiv. Sie werde dem Konzern eine Entlastung von rund 100 Millionen Euro im Jahr bringen, sagt Finanzvorstand Ralf Thomas. Kaeser hatte Trump in Davos zu der Reform gratuliert.

"Die erwartete dramatische Entwicklung"

Die Siemens-Beschäftigten demonstrieren seit Wochen gegen die Streichungen. Kaeser sagte, der rückläufige Markt bei fossiler Energieerzeugung sei keine temporäre Eintrübung, sondern zeige die erwartete dramatische Entwicklung. "Behauptungen, dass unsere Werke in Offenbach, Erfurt, Mülheim oder auch Görlitz voll ausgelastet und sogar profitabel seien, sind ein Mythos oder Stimmen aus vergangenen Zeiten", sagte der Siemens-Chef. "Mit der Realität heute haben sie jedenfalls nichts zu tun."

Nicht nur in der Kraftwerkssparte musste Siemens einen Rückschlag hinnehmen. Auch die kurz vor dem Börsengang stehende Medizintechnik-Sparte Healthineers verzeichnete Gewinnrückgänge. Allerdings gehört das Geschäft weiter zu den größten Ertragsbringern bei Siemens. Die Sparte soll noch im ersten Kalenderhalbjahr an die Börse gehen.

Auch im Geschäft mit der Digitalisierung verdiente der Konzern insgesamt weniger als vor einem Jahr. Deutlich besser entwickelte sich hingegen das Zuggeschäft, das bis zum Jahresende mit dem französischen Wettbewerber Alstom zusammengeschlossen werden soll.