Vor zwölf Jahren waren die Asiaten in den USA noch willkommen: Als Whirlpool, der größte Waschmaschinenhersteller der USA, 2006 für 1,7 Milliarden Dollar den drittgrößten inländischen Konkurrenten übernehmen wollte, wurden die Regulierer in Washington unruhig. Entsteht da vielleicht ein Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung? Doch Whirlpool hatte ein plausibles Argument parat, warum der dann viel größere Konzern für die amerikanischen Verbraucher keine Gefahr darstellt: Die Konkurrenz aus Asien, allen voran Marken wie Samsung und LG, hieß es damals aus dem Whirlpool-Hauptsitz in Michigan, werde sicherstellen, dass man auch in Zukunft "wach" bleibe. Das überzeugte die Behörden in Washington, die Übernahme wurde genehmigt.

Jetzt aber scheint der Konzern die Konkurrenz doch leid zu sein. Auf Drängen von Whirlpool hat die US-Regierung angekündigt, eine Sondersteuer von bis zu 50 Prozent auf Importe von Waschmaschinen aus Asien zu erlassen, sobald diese die Zahl von jährlich 1,2 Millionen Stück überschreiten. 2016 hatten Amerikaner rund drei Millionen Waschmaschinen von ausländischen Herstellern gekauft. Whirlpool bedankte sich und kündigte an, 200 neue Stellen in seinem Werk in Ohio zu schaffen.

Vor elf Jahren hatte Whirlpool einen Marktanteil von 37 Prozent, der Anteil von LG, des zweitgrößten Anbieters, lag bei gerade mal zehn, der von Samsung bei einem Prozent. Doch mit neuem Design und Zusatzfunktionen, die den amerikanischen Maschinen fehlten, konnten die Konkurrenten aus Fernost ihren Anteil ausbauen. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist der Markt für Waschmaschinen um 35 Prozent gewachsen, die Importe haben sich seitdem verdoppelt, Samsung und LG kommen heute gemeinsam auf gut 30 Prozent. Der Marktanteil von Whirlpool veränderte sich trotz der wachsenden Konkurrenz kaum, trotzdem machten den Hersteller aus Michigan die Veränderungen zunehmend nervös.

Tatsächliche Folgen für die Wirtschaft gering

Die Konzernführung appellierte immer wieder an die Politik in Washington einzugreifen. Der US-Hersteller argumentierte, die Konkurrenz aus Fernost nutze marktfeindliche Praktiken, um sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen, etwa indem sie die Preise unter die Produktionskosten drückte. Wäre das Spiel fair, so Whirlpool-CEO Jeff Fettig während einer Anhörung vor dem Kongress im vergangenen Jahr, könnte man mehr verkaufen und mehr Leute einstellen. Von Samsung hieß es während derselben Anhörung, der amerikanische Konkurrent habe schlicht nicht Schritt gehalten mit den Wünschen der Kunden.

Dass der US-Konzern jetzt Gehör fand, hat zahlreiche Gründe. Whirlpool sei nur eines von jährlich Tausenden Unternehmen, die bei der Regierung in Washington vorübergehende Einfuhrsteuern auf bestimmte Produkte beantragen, sagt Linda Lim, Handelsexpertin an der Universität von Michigan. Die Regierung komme bei der Zahl der Beschwerden kaum hinterher. Nur ein Bruchteil kann laut Lim wirklich analysiert werden – nach welchen Kriterien das erfolgt, ist nicht immer eindeutig. Im Falle von Whirlpool gebe es für die Trump-Regierung klare politische Vorteile, ohne dass ein hoher Kollateralschaden verursacht werde. "Der Präsident kann zeigen, dass er seine Wahlversprechen umsetzt, auch wenn die tatsächlichen Folgen gering sind", so Lim.