Eine Gruppe mehrerer Finanzinvestoren um die New Yorker Investmentgesellschaften Cerberus und J.C. Flowers übernimmt die HSH Nordbank. Beide halten künftig rund 80 Prozent des Instituts, wie die Kieler Landesregierung und der Hamburger Senat nach einer gemeinsamen Sitzung in Kiel mitteilten. Der Kaufpreis liegt demnach bei gut einer Milliarde Euro.

Erste Privatisierung einer Landesbank

Die beiden Bundesländer verzichten demnach auf eine Minderheitsbeteiligung. Die übrigen kleineren Anteile gehen an die amerikanische Gesellschaft GoldenTree und an Centaurus Capital aus London sowie an die österreichische Bawag, die der Cerberus-Gesellschaft zuzurechnen ist.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einem "wichtigen Etappenziel" beim Verkauf. Sollte er tatsächlich vollzogen werden – zustimmen müssen noch die jeweiligen Landesparlamente und Finanzaufsicht BaFin sowie die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank – wäre es die erste Privatisierung einer deutschen Landesbank. Das Verfahren dürfte Monate in Anspruch nehmen, sodass eventuell erst im Herbst mit dem formellen Abschluss der Transaktion zu rechnen ist.

Die HSH Nordbank musste im Zuge der Finanz- und Schifffahrtskrise mit Milliardenbeträgen der Bundesländer vor dem Bankrott gerettet werden. Im Gegenzug verlangte die EU den Verkauf und setzte eine Frist bis Ende Februar 2018. Gewerkschaften fürchten den Verlust von vielen der insgesamt 2.000 Arbeitsplätze bei der Bank.

Cerberus an deutschen Banken beteiligt

Die Verluste für die beiden Länderhaushalte zusammen bewegen sich mindestens im zweistelligen Milliardenbereich. Sie werden je nach Quelle zumeist auf 13 bis 14 Milliarden Euro geschätzt. Die Sonderbelastung durch die HSH Nordbank steigert bei den beiden Ländern die Verschuldung, während die Schulden aller anderen Bundesländer gegenwärtig sinken.

Cerberus im Besitz des New Yorker Geschäftsmannes Stephen Feinberg ist bereits auf dem deutschen Bankenmarkt aktiv und hält Anteile an Commerzbank, Deutscher Bank sowie – über die Bawag-Beteiligung – Stuttgarter Südwestbank und Deutscher Ring Bausparkasse.