Der neue Daimler-Großaktionär Li Shufu soll in Kürze nach Deutschland kommen, um für seine Pläne mit dem Stuttgarter Autokonzern zu werben. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird er sich am kommenden Dienstag mit Lars-Hendrik Röller treffen, dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schon am Sonntag und Montag seien in Stuttgart Gespräche mit Daimler-Spitzenmanagern geplant.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzender des chinesischen Autoherstellers Geely wolle bei den Gesprächen klarmachen, dass er ein langfristig orientierter Investor sei. Eine offizielle Bestätigung der geplanten Treffen gab es zunächst nicht.

Li Shufu hatte am Samstag mitgeteilt, er wolle mit Daimler eine Allianz bilden, um es beim autonomen Fahren und bei Elektroantrieben mit neuen Wettbewerbern wie Tesla, Google oder Uber aufnehmen zu können. Wie berichtet wird, ist er vor allem an der Batterietechnologie von Daimler interessiert.

"Führender Anbieter von Elektromobilität"

"Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie", sagte Li. "Den Kampf um die Zukunft des Automobils wird kein aktueller  Branchenspieler allein gewinnen können." Daher sein Einstieg bei Daimler. Er wolle den Stuttgarter Autokonzern "auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität begleiten".

Der Stuttgarter Autokonzern begrüßte das Engagement Lis. "Daimler kennt und schätzt Li Shufu als chinesischen Unternehmer mit besonderer Kompetenz und Zukunftsorientierung, mit dem man den industriellen Wandel konstruktiv diskutieren kann", hieß es in einer Erklärung.

Zugleich haben Daimler und sein bisheriger chinesischer Partner BAIC Motor eine hohe Investition in China angekündigt. Zusammen wollen sie mehr als 1,9 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktionskapazitäten investieren, um der Nachfrage im größten Automarkt der Welt nachzukommen, wie es in einem Dokument von BAIC an die Hongkonger Börse heißt. Die Pläne wurden als Bekenntnis Daimlers für seinen langjährigen Partner BAIC gewertet.

Automobilexperten wie Willi Diez, Direktor des Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen und Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, erwarten, dass Daimler von Geelys Einstieg profitiert. Die Deutschen hätten nun mit Geely einen Partner, der den Silicon-Valley-Konzernen eine eigene Technologiemacht entgegenstelle, sagte Dudenhöffer. Li sei ein langfristiger, gut berechenbarer Investor und ein "blendender Stratege". Sein Unternehmen Geely sei "das dynamischste von allen". Es könne Daimler ganz neue Ansätze und Zugänge zum chinesischen Markt bieten.

Weltkonzern Geely

Daimler hatte am Freitag mitgeteilt, dass Li Shufu 9,69 Prozent an dem Unternehmen halte. Der Anteil hat nach aktuellen Kursen einen Wert von gut sieben Milliarden Euro. Viele Branchenbeobachter hatten den Einstieg von Geely bei Daimler erwartet, wenngleich nicht unbedingt in diesem Umfang.

Das Daimler-Management will den Konzern derzeit umbauen. Dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und seinem Finanzchef Bodo Uebber schwebt eine Holding vor, unter deren Dach drei separate Unternehmen stehen sollen: eines für Pkws und Vans, eines für Lastwagen und Busse, das dritte für Finanzdienstleistungen und neue Mobilitätsdienste.

Lis Unternehmen, die Zhejiang Geely Holding, ist eigenen Angaben zufolge der größte private Automobilkonzern in China und einer der führenden Anbieter für Elektromobilität weltweit. Zur Holding gehören unter anderem die Autohersteller Geely, Lotus und Volvo sowie der chinesische Car-Sharing-Anbieter Cao Cao.

Es heißt, Li gehe davon aus, dass nur etwa zwei oder drei Autohersteller den Wandel der Branche überleben würden. Seinem Ziel, Geely zu einem Weltkonzern mit guten Chancen im Konkurrenzkampf auszubauen, kommt er durch den Einstieg bei Daimler einen Schritt näher.