Facebook hat im Jahr 2017 den Nettogewinn um 56 Prozent auf fast 16 Milliarden Dollar gesteigert – trotz erhöhter Steuerlast und zahlreicher Neueinstellungen. "2017 war ein starkes Jahr für Facebook, aber es war auch ein hartes", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Hinblick auf die Kritik bezüglich problematischer Inhalte.

Kritiker warfen Facebook vor, Aufrufe zu Hass, Verteidigung von Terrorismus oder sogenannte Fake News nicht ausreichend zu bekämpfen. Zudem gab es Vorwürfe, Russland habe über Google, Twitter und Facebook in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingegriffen. 2018 will sich das Unternehmen laut Zuckerberg darauf konzentrieren, "dass Facebook nicht nur Spaß macht, sondern auch gut für das Wohlbefinden der Leute und für die Gesellschaft ist". Bereits in den vergangenen Jahren habe das Unternehmen deswegen personell aufgestockt. Die Ausgaben seien von 15,2 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 20,5 Milliarden Dollar 2017 gestiegen.

Mehr Nutzer, weniger Zeit

Weiterhin meldete Facebook einen Rückgang der Nutzungszeiten. Die Zahl der regelmäßigen Facebook-Nutzer lag im vierten Quartal zwar bei 2,13 Milliarden – 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allerdings verbrachten Nutzer 50 Millionen Stunden pro Tag weniger bei Facebook. Grund dafür ist eine Kursänderung: Facebook will weniger viral verbreitete Videos zeigen und die bei Facebook verbrachte Zeit "wertvoller" machen. Dass dadurch Nutzer weniger Zeit auf Facebook verbringen, nehme das Unternehmen in Kauf.

Zuckerberg hatte einen tiefgreifenden Strategiewechsel angekündigt und erklärt, dass die Nutzer weniger Nachrichten und Inhalte von Facebook-Seiten zu sehen bekommen und stattdessen mehr Beiträge von Freunden und Verwandten. "Den Menschen dabei zu helfen, sich zu vernetzen, ist wichtiger, als die Nutzungszeit zu verlängern", sagte Zuckerberg. Das werde auf lange Sicht auch Facebooks Zukunft sichern.

Facebook hat nun 2,13 Milliarden monatlich aktive Nutzer. Täglich kamen den Angaben zufolge 1,4 Milliarden von ihnen auf die Plattform. Das waren 32 Millionen mehr als drei Monate zuvor – das langsamste Wachstum seit 2015. Analysten hatten mit einem schnelleren Anstieg der Nutzerzahlen gerechnet. Im lukrativsten Markt, USA und Kanada, sank die Zahl täglich aktiver Nutzer sogar erstmals: von 185 auf 184 Millionen. Marktforschern zufolge war die Facebook-Nutzung in Nordamerika bereits vor dem angekündigten Umbau rückläufig.

Für dieses Jahr rechnet Facebook mit einem langsameren Wachstum des Geschäfts als 2017. Zugleich sollen die Kosten um 45 bis 60 Prozent steigen und das Onlinenetzwerk will allein bis zu 15 Milliarden Dollar in Infrastruktur wie Rechenzentren investieren.

Die Anleger scheinen Zuckerberg jedoch zu vertrauen: Die Aktie, die nach den Quartalszahlen zunächst im nachbörslichen Handel rund fünf Prozent verlor, drehte nach seinen Äußerungen vor Analysten ins Plus und gewann mehr als ein Prozent hinzu.