Am Mittwoch hat die Europäische Kommission der geplanten Übernahme von Monsanto durch Bayer zugestimmt. Für den Leverkusener Chemiekonzern ist das allerdings nur ein Etappensieg. Ulrich Huwald, der die Branche für das Bankhaus M. M. Warburg beobachtet, gibt zu bedenken: "Das OK der USA fehlt noch." Das ist keine Kleinigkeit, schließlich ist Monsanto in St. Louis zu Hause und wichtigster Lieferant der amerikanischen Farmer. Der bei Bauern wie auch Umweltschützern umstrittene Deal lässt also weiter auf sich warten.

Bayer-Chef Werner Baumann warb deshalb erneut für den geplanten Agro-Multi: "Gemeinsam wollen wir Landwirten in aller Welt helfen, mehr und bessere Nahrungsmittel nachhaltiger zu produzieren", wurde Baumann in einer Mitteilung des Konzerns zur EU-Genehmigung der Monsanto-Übernahme zitiert. Bayers Landwirtschaftssparte war bisher vor allem für Spritzmittel bekannt, Monsanto für sein dank Genmanipulation spritzmittelresistentes Saatgut – die Kombi verspricht also künftig vor allem eines: bessere Geschäfte.

Bauern und Kartellwächter dagegen fürchten, dass ein Übermaß an Marktmacht zu Preissteigerungen führen könnte. Deshalb zwingt die EU-Kommission Bayer, einige Saatgutsorten an Wettbewerber abzugeben, um wenigstens ein bisschen Ausgleich zu schaffen. Der lachende Dritte ist der Ludwigshafener BASF-Konzern, der nun neben Soja-, Raps- und Baumwollsaatgut auch noch ein paar Gemüsesorten übernehmen soll.

Die Amerikaner prüfen gründlich

Die Bayer-Aktionäre scheinen noch nicht genau zu wissen, was sie von der ganzen Sache halten sollen: Der Kurs der Bayer-Aktie hat sich nach einigem Auf und Ab wieder auf dem Niveau von Mai 2016 eingependelt, als die Übernahmepläne bekannt wurden. Bernhard Weininger, Analyst bei Independent Research in Frankfurt, erklärt das so: Die Arznei-Fans hätten ihre Papiere verkauft, als Aspirin-Hersteller Bayer den Kauf des weltgrößten Saatguterzeugers ankündigte, wohingegen die Freunde der Agro-Industrie zugegriffen hätten.

Hat die Berg-und Talfahrt auch mit dem Streit über die Gentechnik zu tun – die den einen als Teufelswerk gilt, den andern als Wundermittel gegen den Hunger in der Welt? Darüber anhand des Aktienkurses Aussagen zu treffen, sei schwer, meint Weininger. In den vergangenen Monaten habe es meist positive Reaktionen gegeben, wenn der Übernahmeprozess voranschritt und Kartellbehörden wie etwa die in Brasilien ihre Zustimmung signalisierten, sagt er.

An Mittwoch allerdings blieb das Kursplus hauchdünn. Vielleicht, weil die Anleger wissen, dass die wichtigste Entscheidung noch aussteht. Die Wettbewerbsexperten im US-amerikanischen Justizministerium prüfen gründlich. Darum hat der Bayer-Konzern, der die Übernahme ursprünglich schon zum Jahresende abgeschlossen haben wollte, den Termin inzwischen zweimal korrigiert. In Leverkusen hofft man nun auf einen Abschluss im 2. Quartal.

Starker Euro macht den Kauf günstiger

Die Wartezeit ist ärgerlich. Die Manager sind mit Kartellangelegenheiten beschäftigt, statt über neue Produkte für ihre Kunden nachzudenken. Allerdings hat die Verzögerung auch Vorteile, wie Analyst Weininger erklärt: In der Zwischenzeit hat sich die Konjunktur in Europa so gut entwickelt, dass Bayer beim Verkauf seiner Chemietochter mehr Geld einnahm als ursprünglich erhofft. Die Kapitalerhöhung für Monsanto kann somit geringer ausfallen.

Auch der starke Euro-Wechselkurs sorgt dafür, dass Bayer in Amerika günstiger einkaufen kann. Ebenso positiv: In der Zwischenzeit hat Monsanto fleißig Schulden abgebaut, der Erwerber muss also weniger tilgen. Man habe sich "zu einem günstigen Zeitpunkt" zum Kauf entschieden, sagte Bayer-Chef Baumann jüngst bei der Bilanzpressekonferenz. "Die Bewertung sähe heute anders aus."

Das klingt, als sei der 62,5-Milliarden-Dollar-Deal – viele Experten fanden den Preis zunächst überteuert – in Wirklichkeit fast ein Schnäppchen. Jetzt muss die größte Akquisition der Bayer-Geschichte nur noch klappen.