Johan Lundgren ist seit Dezember 2017 neuer Chef der britischen Fluglinie EasyJet. Zuvor war er Manager im deutschen Reisekonzern TUI.

ZEIT ONLINE: Herr Lundgren, EasyJet hat durch die Insolvenz von Air Berlin eine Menge neuer Flugverbindungen dazugewonnen. Diesen Deal hat ihr Mitbewerber Michael O'Leary, der Chef von Ryanair, ein abgekartetes Spiel genannt. Was antworten Sie darauf?

Johan Lundgren: Ich kann dazu einige grundsätzliche Dinge sagen. Wir haben immer die örtlichen Gegebenheiten respektiert. Wir arbeiten mit den Gewerkschaften zusammen, wir behandeln und bezahlen unser Personal fair. Wir sind auch als Arbeitgeber bekannt, für den sehr viele Piloten und Flugbegleiter arbeiten wollen. Bei uns gab es nie einen Pilotenmangel oder Ähnliches. Auch haben wir uns finanziell zuletzt stark entwickelt, sodass wir ein solches Investment stemmen können. Wir hatten nicht nur die Gelegenheit für die Übernahme von Teilen der Air Berlin, wir konnten es auch wirklich nachhaltig umsetzen. Das alles muss man bedenken, wenn man über die Insolvenz von Air Berlin spricht.

ZEIT ONLINE: Das ist aber nicht die Antwort auf die Frage. Es gab viele Branchengerüchte, dass Lufthansa die Insolvenz von Air Berlin geradezu begünstigt habe, um schließlich davon zu profitieren.

Lundgren: Davon weiß ich nichts.

ZEIT ONLINE: Auch Sie haben davon profitiert.

Lundgren: Wir waren sehr früh in die Vorgänge involviert. Man wollte uns auch von Anfang an in den Verhandlungen dabeihaben. Aber das alles gab es nicht umsonst. Wir haben hier stark investiert.

ZEIT ONLINE: Wie kam es zu dieser frühen Beteiligung an den Gesprächen?

Lundgren: Natürlich war das alles vor meiner Zeit bei EasyJet, ich bin erst Ende vergangenen Jahres dazugestoßen. Dennoch würden wir unseren Job nicht richtig erledigen, wenn wir nicht wüssten, wie es unseren Mitbewerbern in der Branche geht und welche Gelegenheiten sich ergeben.

ZEIT ONLINE: Gleichzeitig gab es eine Menge Kritik an dem Staatskredit über 150 Millionen Euro, den die Bundesregierung der insolventen Air Berlin noch genehmigt hat und von dem sie wohl weniger als die Hälfte zurückbekommt.

Lundgren: Deutschland und Berlin werden als unsere Basis von sehr viel günstigeren Flugpreisen profitieren. Außerdem investieren wir insgesamt etwa 200 Millionen Euro. Das ist ein starkes Engagement, das wir hier eingehen, auch für die ehemaligen Mitarbeiter von Air Berlin.

ZEIT ONLINE: Die Luftfahrtbranche in Deutschland sortiert sich nach der Insolvenz neu. Wie bedeutend werden für Sie auch innerdeutsche Verbindungen?

Lundgren: Sicher ist das ein wichtiger Punkt, aber wenn wir eine Basis aufbauen, wollen wir unbedingt sicherstellen, dass wir eine bestimmte Größe erreichen. Wir müssen den Kunden hohe Frequenzen anbieten, sodass sie mehr Auswahl haben und wir ein ganz normaler Anbieter werden. Unser Modell basiert auf einer bestimmten Größe, und die ist auch gut für die Kunden. Von unserer Ausgangsposition in Berlin können wir uns jetzt weiterem Wachstum widmen. Noch stehen wir am Anfang, aber wir verfolgen eine langfristige Strategie.