In der Datenaffäre um Facebook haben US-Investoren eine erste Klage gegen den Internetkonzern eingereicht. Die Aktionäre machten bei einem Bundesgericht in San Francisco geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten, die Daten der Nutzer zu schützen, in die Irre geführt habe. Der Los Angeles Times zufolge wird dem sozialen Netzwerk auch vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben.

Die New York Times und der Observer hatten berichtet, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica mittels einer App in den Besitz von Daten von mehr als 50 Millionen Nutzern gelangt sei. Mithilfe einer aus diesen Daten entwickelten Software wurden auf dem Netzwerk politische Anzeigen geschaltet, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden. Die individuelle Ansprache von Wählern über die sozialen Netzwerke habe Trump zu seinem Wahlsieg 2016 verholfen.

Cambridge Analytica bestritt energisch, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben. Laut US-Medienberichten leitete die US-Handelsaufsicht FTC Ermittlungen gegen Facebook ein. In New York und Massachusetts teilten die Staatsanwaltschaften mit, schriftlich Aufklärung von Facebook eingefordert zu haben.

"Das gesamte Unternehmen ist entsetzt"

Facebook sieht sich in dem Skandal selbst als Betrogenen: "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", hieß es in einer Mitteilung von Facebook. Das Unternehmen werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst. Facebook verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert an der Börse.

Nach umstrittenen Äußerungen zu politischen Einflussnahmemöglichkeiten hat die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica ihren Chef Alexander Nix suspendiert. Nix werde bis zu einer vollständigen, unabhängigen Untersuchung mit sofortiger Wirkung von seiner Aufgabe entbunden, teilte das Unternehmen mit. Er hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. 

Auch bei Facebook könnte es laut New York Times personelle Veränderungen geben. Die Zeitung berichtete, dass der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos Facebook verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden.